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Ich habe noch nie...

Autor: Christine | Datum: 20 August 2012, 17:58 | Kommentare deaktiviert

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mit immer mindestens sieben Leuten im Taxi gesessen.

zuvor mit 10 Leuten in einem Auto eine Taxifahrt gemacht.

eine dermaßen verrückte Verdauung gehabt

mein Leben so viel dokumentiert

so viel mit den Händen gegessen

so aromatisches Obst und Gemüse gegessen

so scharf gegessen

mir so viele Kleider schneidern lassen

so leidenschaftlich um Preise verhandelt

so oft Uringeruch in der Nase gehabt

so viel frittiertes Essen gegessen mit so viel Öl und Zucker

so viel gewogen..

so oft mein Essen über offenem Feuer zubereitet

mit so vielen Menschen und Tieren zusammen gewohnt

so intensiv Hühner vom Ei bis zum Filet verfolgt

zuvor Huhn oder Fisch selbst auseinander genommen.

so selten Wasser und Strom gehabt

so selten die Toilettenspülung genutzt

so viele Bücher in einem Jahr gelesen

so viele Filme und Serien in einem Jahr geschaut

so oft Kinder auf die Toilette gehoben

mich so viel über Verdauung ausgetauscht

so viel eine Sprache gesprochen, von der ich eigentlich keine Ahnung habe

meine Familie und Freunde so sehr vermisst

so viele Heiratsanträge bekommen

mir so oft gewünscht, eine andere Hautfarbe zu haben

so oft nur kalt geduscht

so heftigen Regen und so brennende Sonne erlebt

so viele Zehennägel verloren

so extrem mein Geschlecht verteidigen müssen

einen so hohen Berg bestiegen

so lange und so viele Out-door-/ Trekking-Touren gemacht

so oft Hühner aus meinem Schlafzimmer verjagen müssen

mich auf so viele verschiedene Arten geduscht

so viel Sabber abbekommen

so viele Rollsstühle geschoben..

zuvor blutige Fingerknöchel beim Wäsche waschen bekommen.

zuvor mit Malaria und Typhus im Bett gelegen.

in einem so unbequemen Bett geschlafen

zuvor so viel und hart auf dem Feld gearbeitet

so lebendige Gottesdienste erlebt

…so viele Socken weggeworfen, weil ich sie nicht mehr sauber bekommen habe…

eine Gesellschaft erlebt, die auf so herzlicher Solidarität basiert

in einem Jahr so viele Briefe und Mails geschrieben

zuvor meinen Alltagseinkauf auf wuseligen Märkten erledigt.

so viele neue, fremde, spannende Eindrücke erlebt

 

wie in Kamerun August 2011- August 2012

DANKE!

 

 

Von neuen Abenteuern, Abschiedschmerz und Wiedersehensfreude

Autor: Christine | Datum: 15 August 2012, 15:15 | Kommentare deaktiviert

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Wie die Zeit verrast, es ist echt unglaublich…

die letzten eineinhalb Monate seit der Nordentour habe ich damit verbracht, ein paar Dokumente für meinen Chef zu übersetzen und vor allem ganz viele liebe Leute zu besuchen. So war ich immer unterwegs, habe meine Abende mit der Pastorenfamilie verbracht, war bei Bewohnern in den Familien zu Besuch und hab diesen und jenen in Baham besucht, ich habe mich aus reiner Kochfaulheit durch die Restaurants in Baham gegessen (was nebenbei auch deutlich günstiger ist, als selbst zu kochen!) und war immer viel unterwegs.

Das ist sehr kamerunisch, denn in Kamerun bleibt man nicht allein und die Türen stehen immer offen. Zudem bekommt man bei jedem Besuch immer leckeres Essen und so habe ich die ganze Zeit nur ein einziges Mal selbst gekocht.

Außerdem habe ich noch fast 2 Wochen bei Uli und Patrice in Bangoua gewohnt. Das hatte ich sowieso vor, aber letztlich ergeben hat es sich dann, als ich krank geworden bin und die beiden mich nicht länger alleine in Baham lassen wollten. Ich habe also noch eine weitere afrikanische Erfahrung gemacht und lag zwei Wochen mit Typhus, Malaria und einer Salmonellenvergiftung im Bett. Aber das habe ich wieder gut auskuriert und bin schon wieder voll dabei meine letzte wenige Zeit hier richtig auszukosten.

So war ich gerade eine Woche in Limbe am Meer. Miriams kleiner Bruder ist noch zu Besuch gekommen und wir haben auch in der Regenzeit fleißig im Meer geplanscht, frischen Fisch gegessen und unsere Abende in der Strandbar verbracht, herrlich!

Anschließend bin ich letztes Wochenende weiter nach Buea, Kumba bis nach Mundemba gefahren. Dort bin ich mit Andrea und Caro, zwei Mädels aus Bafoussam, in den Korup National Park gegangen…ein letztes großes Abenteuer!

Allein die Reise dorthin ist schon ein original kamerunisches Abenteuer. Die Strecke von Kumba nach Mundemba ist zwar nicht länger als 120km, aber die Straße ist in einem dermaßen schlechten Zustand, dass man für den Weg locker 4 Stunden braucht. Ich habe noch nie eine so durchlöcherte, matschige Schlammstraße erlebt. Wir saßen zu 8 in einem alten Pick-Up und auf der Ladefläche standen auch noch mal 6 Leute. Ich habe unseren Fahrer echt bewundert und war völlig begeistert von seinen Fahrkünsten, wie er uns so souverän durch den Knie-tiefen Matsch gefahren hat, und das der alte Toyota das alles mitgemacht hat!!!

Montag ging es dann für uns in den Dschungel. Nach einer kleinen Motorradtour durch unendlich lange Palm-Öl Plantagen kamen wir zu einer Gendarmerie-Station. Dort mussten wir uns ausweisen, damit immer kontrolliert werden kann, wer in den Wald geht und wer auch wieder raus kommt.

In den Nationalpark führte als erstes eine 120m lange und 15m hohe Hängebrücke über einen reißenden Fluss. Die Brücke hat ordentlich gewackelt und bestand aus mehr oder weniger gut befestigten Holzplanken in unterschiedlichen Abständen. Festhalten konnten wir uns an zwei fingerdicken Seilen. Allein das war schon unbeschreiblich cool!

Anschließend ging es dann 6 Stunden lang mit unserem Guide durch den Regenwald. Hoch und runter, mitten durch wildes Gestrüpp. Wir mussten immer wieder Flüsse überqueren, nur leider war das jedes Mal aufs Neue eine Herausforderung, denn wo früher mal umgefallenen Bäume über den Fluss führten, lagen sie heute schon halb im Wasser. So mussten wir uns neue Übergänge suchen, hüpften von Stein zu Stein, balancierten über rutschige Baumstämme, hielten uns an Lianen fest, und einmal blieb uns auch nichts anderes übrig als in voller Montur durch den knietiefen Fluss zu laufen. Nach 3 Stunden kamen wir dann bei eindrucksvollen Wasserfällen an und machten dort Mittagspause.

Es ist einfach unfassbar, wie reich und wunderschön der Regenwald ist und umso heftiger war der Kontrast zu den 1000en Hektar Palm-Öl Plantage. Das war Erdkundeunterricht aus dem Lehrbuch, wie viel Regenwald abgeholzt wird, um Palmöl herzustellen.

Anschließen ging es weiter durch den Busch. Oft sind wir einfach quer Beet durch das Gestrüpp gewandert, unser Guide mit der Machete voraus. Einmal haben Andrea und ich den Anschluss an die anderen beiden verloren und völlig die Orientierung verloren. Dann mussten wir rufen und bald darauf kam dann aber auch Antwort und wir sind den vertrauten Stimmen gefolgt, bis wir wieder bei den Anderen angekommen sind. Die Gendarmerie hat nicht ohne Grund unsere Personalien aufgenommen :D

Der Regenwald war einfach richtig verwachsen und überall hingen Äste und Lianen herum, Wurzeln kamen aus dem Boden und Schlamm bildete die Erde. So blieb es auch nicht aus, dass ich ein paar Mal gestolpert, ausgerutscht und hingefallen bin. Wobei ich mich dummerweise immer an fiesen Dornenlianen festgehalten habe. Einmal bin ich voll in einen Ast gerannt, der dann blutigen Spuren an meinem Hals hinterlassen hat. Es ist echt unglaublich wie kaputt ich aus dem Busch gekommen bin. Vielleicht sollte man so eine Tour nicht noch so kurz vor der Heimkehr machen, aber ich hoffe Mal dass die ganzen Kratzer Schürfwunden und Dornen an meinen Händen und dem Hals schnell verheilen und ich wieder weniger wild aussehe, wenn ich nach Deutschland komme :D

Aber es war einfach unbeschreiblich durch den Dschungel zu wandern. Wir haben sogar eine Schlange und eine fette Spinne, Schmetterlinge, Füchse, Ameisen und Termiten und richtig Affen gesehen (so Pipi Langstrumpf Affen). Das war soooooo cool!

Raus ging es dann wieder über die Hängebrücke und mit den Motorrädern zurück zu unserer Unterkunft.

Dienstagnacht haben wir uns dann schon um 2 Uhr auf den Weg nach Hause gemacht. Also eigentlich sollte uns der Taxifahrer um 2 Uhr abholen, aber natürlich kam er erst eine Stunde später und so konnten wir um 3 Uhr losfahren. Aber es dauerte keine halbe Stunde und wir hatten mal wieder eine Panne. Es ist echt bescheuert, ich stand schon wieder mitten im Regenwald mit einer Panne. Erst dachte ich es sei nur ein geplatzter Reifen, aber irgendwie stellte sich heraus, dass auf der Huckelpiste die Achse gelitten hatte. Ich weiß nicht genau, was los war, aber 2,5 Stunden später konnten wir dann endlich wieder weiter fahren, mittlerweile war auch die Sonne schon aufgegangen.

Wir saßen wieder zu 8 in unserem Pick-Up und suchten uns bei strömenden Regen unseren Weg durch den Schlamm. 3 Stunden später hatten wir dann wieder eine Panne, unser Motor hat angefangen zu qualmen. Aber innerhalb von einer halben Stunde hat unser Chauffeur das Problem mit einer alten Socke und einem zerschnittenen Reifen geregelt und so konnten wir immer hin im 1. Gang weiter fahren. Wir durften nur nicht mehr anhalten, weil sonst der Wagen nicht mehr angesprungen wäre und so sind wir fleißig durch alle Polizeikontrollen durchgefahren und riefen den  entsetzten Polizisten durchs Fenster zu, dass unser Motor kaputt ist und wir deswegen nicht anhalten könnten.

Als wir anstatt wie geplant dann um 12 Uhr um 7 Uhr in Kumba angekommen sind, bezweifelten wir, dass unser Anschlussbus nach Bafoussam noch fährt. Normale Abfahrt war eigentlich um 8Uhr, aber wir hatten einfach Glück mit der Unpünktlichkeit in Kamerun und so fuhr der Bus mit uns um halb 1 los. Jetzt standen uns nur noch 7 Stunden Busfahrt bis nach Bafoussam bevor und dann hatten wir es geschafft. Die Fahrt ging dann auch tatsächlich ohne Probleme und so kamen wir Dienstagabend um 19:30 nach  17Stunden Fahrt heile und müde zu Hause an und hatten wieder viel zu erzählen.

Ich bin froh, dass ich diesen Trip noch gemacht habe. Es war wirklich unvergesslich und ich habe mal wieder viel spannenden Erzählstoff gesammelt ;)

 

Jetzt sind es nur noch 10 Tage bis ich in Douala ins Flugzeug steige und es für mich zurück nach Deutschland geht. Ich habe mich eigentlich immer riesig auf meine Rückkehr gefreut und konnte es manchmal gar nicht mehr erwarten wieder nach Hause zu kommen. Aber im letzten Monat hat sich das Gefühl ziemlich geändert. Ich bin so viel am nachdenken, frage mich selbst viel zu viele Fragen und mir wird so deutlich wie nie zuvor, wie unterschiedlich meine Zeit in Kamerun zu meiner Zeit in Deutschland ist.

Ich habe das Leben hier so lieben gelernt, die ganzen Abenteuer als Antrieb genutzt. Ich denke mir manchmal, ich würde echt gerne jetzt noch ein Jahr dran hängen und all das was ich gelernt habe, an Sprache, Kultur und Zusammenleben noch einmal ausnutzen, mit meinem jetzigen Wissen noch mal das Jahr erleben und manches anders machen und manches genauso noch mal machen. Aber gut…das ist auch normal.

Und ich habe auch so viele Dinge auf die ich mich in Deutschland freue, vor allem auf meine Liebsten!!!

Ich freue mich auf meine Familie, meine Freunde, meine Beziehung,

ich freue mich auf einen höheren Hygienestandard, fließend Wasser, keinen Schimmel, Nahrungshygiene, Lebensmittelhygiene und die damit verbundene gesunde Verdauung!

Ich freue mich auf mein Fahrrad und damit ohne Sorge durch die Nacht zu fahren.

Ich freue mich auf Sauerbraten mit Klößchen und Rothkohl, auf einen Apfel, Schnitzel, Wirsingeintopf, Spinat, VOLLKORNBROT, Milch, Käse und Wurst, Lasagne, Sauerkraut mit Kartoffelbrei, Erdbeerkuchen, Sachertorte, Currywurst, Döner und Pizza und Sushi und die Liste kann ich ewig weiter führen.

Es wird mir unglaublich schwer fallen, Kamerun erstmal hinter mir zu lassen, aber ich weiß sicher, dass ich eines Tages wieder zurück kommen werde und Zeit habe all die Dinge, die ich in Kamerun lieben gelernt habe (zu 8 Taxi fahren, schleimiges Essen mit Fingern zu essen, die Menschen und und und), noch mal zu erleben!

Kamerun ich komme wieder, Au revoir, Auf wiedersehen!

 

 

Part 2: Norden, Bilderbuch- Afrika

Autor: Christine | Datum: 15 Juli 2012, 16:55 | Kommentare deaktiviert

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Ich weiß, der Bericht ist viel zu lang, aber es lohnt sich ihn zu lesen!!!

…Ja und danach, dann ging es los in den Norden.

Um 16Uhr mussten wir in den Zug einchecken, welcher dann auch tatsächlich pünktlich um 18Uhr losfuhr. Ein richtig langer Zug, fuhr aus einem richtigen Bahnhof heraus, das Abenteuer Norden konnte losgehen!

Wir teilten uns unser 4-er Abteil mit 2 muslimischen Männern, die abgesehen von anfänglichen Heiratsanfragen auch ganz angenehme Reisebegleiter waren.

Der Zug fuhr also aus Yaoundé heraus und die Sonne ging unter, es war wirklich wunderschön. Der Zug machte noch an weiteren Bahnhöfen Halt und wie bei den Busfahrten strömten bei jedem Halt Frauen und Kindern mit Lebensmitteln an den Zug. Es wurde wie gewohnt Obst, Maniok, und andere Köstlichkeiten durchs Fenster gekauft. Und wer meint, ein Viererabteil+ 3 Kinder und unzählige Taschen sei schon voll, der kennt das unschlagbare Tetris- System der Kameruner nicht!

Und wie ebenfalls von Busfahrten schon gewohnt, gibt es auch bei der Zugfahrt Verkäufer die dir einen Vortrag über AIDS-Heilmittel (!!!) und Verhütung halten und sich dabei die absurdesten Namen für ihre Wundermittel ausdenken.

Reisen in Kamerun ist immer spannend und so sollte es auch weiter gehen.

Als es dann später Nacht wurde, versuchten die Leute auf ihren Plätzen zu schlafen, was gar nicht so leicht war. Zwar entspricht die 1.Klasse im kamerunischen Zug ziemlich der 2.Klasse in Deutschland, die Sitze waren soweit bequem, aber ich wusste einfach nicht wohin mit meinen Füßen. Mein Gegenüber wusste dieses jedoch sehr genau und parkte seine nackten Füße auch erst einmal auf den paar freien Zentimetern meines Sitzes. Mit Füßen in meinem Gesicht und Miriam an meiner Schulter verbrachte ich also die Nacht damit, den anderen Leuten im Abteil beim Schlafen zuzuschauen.

Gegen 4 Uhr Morgens hielten wir dann länger anso lange bis um 6 Uhr dann die Durchsage des Lokführers kam, dass wir eine Panne hätten und hier auf eine neue Lokomotive warten müssen. Oh Kamerun! :D

Also stiegen wir erst einmal aus, wir standen einfach mal mitten im Regenwald mit dem Zug fest, mitten im NICHTS. Abwarten war angesagt und so vertrieben wir uns die Zeit mit einem kleinen Spaziergang im Regenwald und tranken heißen Instand- Kaffe der Zuggesellschaft. Die Kameruner ließen es sich natürlich nicht nehmen mit den armen Zugbegleitern zu diskutieren! Ich war ziemlich entspannt, hatte ein gutes Buch und viel Zeit, ich war immerhin im Urlaub. Wir waren schon 10 Stunden unterwegs, also hatte ich mich darauf eingestellt, bis zum Nachmittag dort fest zu sitzen und machte es mir mit einem Buch bequem. Aber dann um 10:30 Uhr kam tatsächlich schon die neue Lokomotive, fragt mich nicht wie, aber irgendwie wurde die alte Lok mitten im Regenwald ausgetauscht und wir konnten weiter fahren.

Etwas Gutes hatte unsere Panne noch: Normalerweise wacht man bei der Reise mit Sonnenaufgang in einer völlig neuen Landschaft auf, aber wir hatten jetzt die Chance den Wandel von Regenwald zur Savanne selbst anzuschauen. Und so kamen wir dann um 16:00 Uhr, anstatt nach 12 Stunden fahrt nach 22 Stunden im Zug, in Ngaoundéré an.

Dort kamen wir in einer katholischen Mission unter, wo sich die Schwester schon über unsere späte Ankunft wunderte. Nachdem wir unsere Sachen abgelegt haben, machten wir einen Spaziergang durch Ngaoundéré und aßen zu Abend. Zurück in der Mission nahmen wir erst einmal eine warme Dusche, ich habe jetzt das zweite Mal in diesem Jahr WARM geduscht und es war… viel zu warm! :D

Unser Bus weiter nach Maroua ging am nächsten Morgen um 6 Uhr. Wir haben mit einem Taxifahrer abgemacht, dass er uns um kurz nach 5 an der Mission abholt. Am nächsten Morgen werde ich dann von einer Autohupe wach und schaue erschrocken auf die Uhr, wir haben doch nicht verschlafen, oder? 4:08Uhr, bitte was? Miriam ist dann rausgegangen und ich hinterher. Dort stand wirklich unser Taxifahrer, bereit uns abzuholen. Wir erklärten ihm dann, dass er eine Stunde zu früh sei, er sollte doch um kurz nach 5 kommen. Er war aber der festen Überzeugung, dass es kurz nach 5 sei, all seine Uhren zeigten dies auch an. Hin und her, musste er schließlich warten, bis wir schnellstens unsere Sachen zusammen gepackt hatten. Wir waren echt verwirrt, hat Kamerun doch mehrere Zeitzonen? Als wir dann zurück zum Taxi kamen, gestand uns der Taxifahrer, er habe sich wirklich vertan und sei eine Stund zu früh, ja danke!

Naja, so waren wir dann also schon um 5 Uhr anstatt um 6 Uhr beim Busbahnhof und konnten den Muslimen beim Morgengebet zuschauen.

1,5 Stunden später fuhr dann unser Bus los und es ging weiter nach Maroua. Die Fahrt dauert gut 8 Stunden und führt einfach nur immer weiter in die Savanne. Die ganzen 8 Stunden sind wir vielleicht durch 3 Dörfer, bestehend aus 5 Lehmhütten und durch Garoua gekommen. Unglaublich, dass man hier so lange einfach nur durch reine Landschaften fahren kann, es war wunderschön!

Auf halber Strecke mussten wir einen kurzen Stopp machen, da auf der einzigen Straße, die in den Norden führt, ein LKW umgekippt ist. Aber es war schon ein Bulldozer dabei, mitten durch die Savanne eine neue Straße frei zu schaufeln und so konnte es nach einer Stunde weiter gehen.

 

Nachmittags kamen wir dann ohne weitere Probleme in Maroua, der 3.größten Stadt Kameruns an. Am Busbahnhof wurden wir dann auch erstmal direkt von Jean-Luc einem Touristenführer abgefangen, der schon viel mit Freiwilligen zusammen gearbeitet hat. Er hat uns dann zu der Baptisten- Mission gebracht, wo wir für die 2 Wochen untergekommen sind. Abends haben wir uns dann noch einmal mit ihm getroffen, um zu schauen, was wir während unseres Aufenthalts unternehmen können. Anfangs kam mir Jean-Luc wie eine gute Hilfe vor, aber schon schnell wurde seine ständige Präsenz nur anstrengend und nervig für Miriam und mich und ich musste ihm deutlich machen, dass ich meinen Urlaub mit Miriam verbringen möchte und nicht mit ihm.

Nichts desto trotz hat er 2 unvergessliche Touren für uns organisiert!

Die ersten Tage haben wir uns Maroua angeschaut und erst einmal versucht, uns in der riesigen Stadt zu orientieren. Wir sind über den Markt geschlendert und haben wunderschöne Handwerkskunst erhandelt.

 

Donnerstag sind wir dann Morgens um 6 mit Jean-Luc auf den Mont Maroua gestiegen, ein knapp 1000m hoher Berg der mitten in der Stadt liegt. Der Aufstieg war kein Problem und als wir dann um halb 8 auf der Spitze standen, hatten wir einen faszinierenden Ausblick über ganz Maroua. Diese Stadt ist wirklich eine grüne Oase mitten in der braunen Savanne. Rund um Maroua war weit und breit nichts zu sehen, außer den Mandara Bergen, einer stillen Vulkanreihe die sich von Norden bis Süden durch ganz Kamerun zieht. Der Ausblick war einfach fantastisch.

Im Norden ist es immer noch unglaublich heiß, die Regenzeit ist längst nicht so heftig wie im Westen und eigentlich ist auch immer noch alles staubtrocken. Der Fluss der durch Maroua führt ist noch ausgetrocknet, es sei denn in den Bergen hat es Nachts geregnet, dann bilden sich vereinzelt Pfützen.

 

Maroua ist eine fantastische Stadt und die Atmosphäre dort ist ganz anders, als ich Kamerun aus dem Westen kenne. Der Norden ist überwiegend muslimisch geprägt, die Leute sind viel ruhiger, diskutieren nicht so heftig und alles ist einfach ganz anders, als alles, was ich bislang aus Kamerun kannte. Es war spannend 5 mal am Tag die Gebetszeiten der Muslime mitzuerleben, wie in der ganzen Stadt Männer auf Teppichen knien. Ja und so wie die Menschen verschieden sind, so hat sich auch die Landschaft im Norden verändert. Die Häuser sind außerhalb der Stadt aus Lehm gebaut und mit Strohdächern abgedeckt, in der Savanne gibt es Herden von Ziegen und Eseln, letztere helfen bei der harten Feldarbeit und überall flitzen Geckos und Salamander herum.

Ja der Norden Kameruns ist einfach richtiges Bilderbuch- Afrika, wunderschön!

 

Das Wochenende sind Miriam und ich nach Rhumsiki gefahren, um dort ein 3 Tages Trekking durch die Savanne zu machen. Um dort hinzugelangen, mussten wir von einer Nachbarstadt aus ein Motorrad nehmen. Unser Fahrer war einfach mal genauso alt wie mein kleiner Bruder und hatten gefühlt den Körperbau meiner kleinen Cousine.

Der Junge kam noch nicht mit den Füßen auf den Boden und als ich auf das Motorrad mit aufgestiegen bin, ist er fast umgekippt. Ohje, und der sollte uns jetzt 2 Stunden durch die Savanne bis nach Rhumsiki jagen. Aber letztlich ist er sehr gut gefahren und wir sind, abgesehen von einer schnell behobenen Reifenpanne, heile in Rhumsiki angekommen. Die Motorradfahrt war landschaftlich atemberaubend! Wir sind 2 Stunden durch die Savanne mit den Mandara Bergen entlang der Grenze zu Nigeria gefahren, einfach unbeschreiblich schön.

In Rhumsiki wartete schon unser Guide auf uns und so konnte es direkt losgehen. Wir sind also von Freitag Mittag bis Sonntag Mittag durch die Savanne gewandert, immer wieder Berge auf und abgestiegen, von wo aus wir eine fantastische Aussicht hatten.

Die Landschaft war wie gesagt atemberaubend, überall ragten riesige Steinfelsen aus der Erde, Lehm-Strohhäuser bildeten kleine Dörfer und das Wetter war fantastisch. Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel und etwas Wind, naja und wenn man dann 3 Tage durch die Savanne wandert, bleibt ein fetter Sonnenbrand wohl nicht aus, sorry Mama!

Es war wirklich unbeschreiblich, ich glaube die Landschaft dort ist mit das schönste, was ich je in meinem Leben gesehen habe, auf jeden Fall das fantastischste. Die Berge haben mich immer wieder an die „schwebenden Berge von Pandora“ (Film „Avatar“) erinnert und beim Wandern durch die idyllischen Dörfer kam ich mir vor wie Frodo im Auenland.

Geschlafen habe wir die zwei Nächte jeweils in einem Dorf, beim Dorfchef höchstpersönlich. In schönen Lehmhütten auf dünnen Bastmatten, schliefen wir mit Ziegen, Eseln und Hühnern als Nachbarn.

Abgeschlossen wurde unser Trekking Sonntag mit einer Rhumisiki- Führung und Marktbesuch. Anschließend ging es mit dem Motorrad wieder 2 Stunden durch die Savanne, zurück nach Maroua.

Übrigens waren wir bei der ganzen Tour immer nur einen Steinwurf von Nigeria entfernt und konnten die nigerianischen Dörfer sehen, wir sind die ganze Zeit entlang der Grenze gewandert.

(was ich bei obiger Schilderung nicht beschreibe, sind die verfluchten Anstrengungen beim Trekking, warum komme ich nur auf die Idee mir in Afrikas Savanne zum Hobbie zu machen Berge zu beklimmen und bei brennender Hitze 3 Tage durch zu wandern?!?! :P)

Die Tour war einfach unbeschreiblich und definitiv ein Highlight meines ganzen Kamerunaufenthalts, so wie eigentlich die ganze Nordenreise.

 

Montag war Markttag in Maroua und so verfielen Miriam und ich noch einmal den wunderschönen Lederwaren und Schmuck der Kameruner.

Dienstag Morgen wartete ein Chauffeur auf uns und wir haben uns auf, an die Grenze zum Tschad gemacht. Dort haben wir uns den traditionellen Markt von Pouss angeschaut und ein traditionelles Museum besichtigt. Anschließend haben wir uns in eine Piroge gesetzt und haben uns auf dem Lac Maga herum paddeln lassen. Nachdem das erste Boot nicht heile war klappte es mit dem Zweiten und Miriam und ich konnten auf See- Safari gehen. Im Lac Maga gibt es nämlich Nilpferdherden und die haben wir besucht. Wir sind mit unserer alten Piroge um eine Nilpferdherde von etwa 20 Tieren herum geschippert und konnten diese riesigen Tiere hautnah beobachten. Es war wirklich atemberaubend und mit dem richtigen Abstand waren die Tiere täuschend friedlich!

Nachdem wir sie dann einmal umpaddelt hatten, ausgiebig beobachtet haben und Fotos geschossen haben, ging es für uns dann wieder  entlang der Tschadgrenze zurück nach Maroua.

 

Mittwoch haben wir dann unsere Tickets für den Bus und Zug zurück nach Yaoundé gebucht. Donnerstag Morgen um 3 Uhr ging dann unser Bus ab.

Als wir Morgens oder besser Nachts bei der Busstation ankamen, waren schon oder noch viele Leute da, die alle in den Bus nach Ngaoundéré wollten. So fuhr der erste Bus ohne uns ab, aber dafür bekamen wir noch die letzten Plätze im zweiten Bus. Das hieß, wir saßen in der letzten Reihe und das sollten wir schnell bereuen…

Die Straße von Maroua nach Ngaoundéré ist in einem extremst schlechten Zustand und so flogen wir förmlich 8 Stunden durch den Bus. Jeder Versuch noch etwas zu schlafen war hoffnungslos, nur für meinen Sitznachbar nicht, der seelenruhig an meiner Schulter schlief.

Bei jedem Hügel, über den wir fuhren, flogen alle Insassen hinter der letzten Achse hoch und hoben wirklich vom Sitz ab. Miriam und ich mussten immer laut loslachen bei jedem Höhenflug und ernteten verwunderte Blicke der Kameruner, die Weißen….^^

Aber nach 8 Stunden Hoppelfahrt kamen wir dann in Ngaoundére an und haben uns dann erst einmal lecker Spaghetti Bolognese gegönnt!

Abends ging es mit dem Zug dann weiter nach Yaoundé. Weil wir im Norden so ausgiebig geshoppt hatten, fuhren wir auf dem Rückweg lieber die günstigere 2.Klasse. Dort hatten wir weniger Beinfreiheit aber dafür saßen wir mit einer Gruppe kamerunischer Studenten zusammen, die uns die Fahrt gut unterhielten. Die Zugrückfahrt verlief ohne Probleme und innerhalb von 12 Stunden kamen wir Freitag Morgen um halb 7 in der Hauptstadt an.

Miriam und ich sind dann erst einmal in die französische Bäckerei gefahren und haben lecker gefrühstückt.

 

Anschließend ging es dann mit dem Bus die letzten 5 Stunden zurück nach Bafoussam und Baham. Diese Busfahrt war für mich noch einmal eine Tortur. Ich war völlig übermüdet, seit 32 Stunden am durchreisen und mir tat einfach alles weh. Zudem war mir auch noch richtig übel und so konnte ich es kaum erwarten, endlich in Bafoussam anzukommen.

Dort stieg ich aus dem Bus aus und musste mich auch erst einmal prompt vor unzähligen Kamerunern übergeben. Ein kleiner Junge, der das nicht mitbekommen hat, kam zu mir und wollte mir dann auch noch Ohrringe verkaufen, nein Danke! :D

Es wird wohl eine Mischung aus allem gewesen sein, aber ich war dann echt glücklich, in Baham angekommen zu sein und habe dann auch von Freitag früher Abend bis Samstag Mittag durchgeschlafen.

Danach ging es mir wieder super!

So ging also eine wunderschöne, unvergessliche, kuriose Reise zu Ende.

Der Norden war einfach fantastisch und ein absolutes Highlight meines ganzen Kamerunaufenthalts

- ich bin so dankbar, das alles erleben zu können

 

Part 1: Yaoundé

Autor: Christine | Datum: 11 Juli 2012, 12:36 | Kommentare deaktiviert

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Donnerstag nach der Verabschiedung von den Bewohnern haben Miriam und ich uns aufgemacht, einmal ein komplett anderes Kamerun kennen zu lernen: die lang ersehnte Nordentour stand an.

Aber erst einmal war Freitag noch ein anderes Highlight angesagt: eine Mitfreiwillige, Natalie, feierte in Yaoundé ihre Hochzeit mit Yannick, und da durften wir natürlich nicht fehlen!

Also ging es Donnertag vollgepackt zusammen mit den Bafoussam-Freiwilligen in die Hauptstadt. Gehaust haben wir bei Katha, der giz-Freiwilligen in Yaoundé und dort wurde dann abends noch fleißig Hochzeitsdeko gebastelt.

Freitag Morgen früh aufstehen, wir sollten pünktlich um halb 9 beim Standesamt sein und Yaoundé ist eine große Stadt und wir hatten ne Ahnung, wie lange wir mit dem Taxi dorthin bräuchten. Letztlich sind wir also um 7 losgefahren und um halb 8 schon beim Standesamt angekommen, ja toll, aber es konnte ja keiner ahnen, dass das um die Ecke liegt und wir keinerlei Stau haben werden. So saßen also 5 herausgeputzte weiße Mädels vor einem Standesamt in Kamerun und ihr glaubt nicht, was für eine anziehende Wirkung das auf Kameruner hat!

Also warteten wir lieber schon im Trausaal, welcher mit Weihnachtsdeko und einem Bild vom Präsidenten geschmückt war, zudem standen in einer Ecke noch ein paar Fitnessräder und Schreibtische. Uns wurde von der raut extra eingeschärft, pünktlich zu sein, da das kamerunische Standesamt dies auch ausnahmsweise sein solle. Mitlerweile war es viertel vor neun, die Trauung sollte um 9 Uhr anfangen, aber es war noch niemand anwesen, keine Gäste, keine Familie, kein Bürgermeister und vor allem kein Brautpaar, nur wir 5 Deutschen waren einfach mal schon seit 1,5 Stunden überpünktlich. Bald kam aber schon der Bräutigam mit seiner Familie um halb 10 füllte sich der Saal etwas mit Gästen, aber von Natalie, der Braut keine Sicht, der arme Yannick!

Aber schließlich mit über eine Stunde Verspätung kam die Braut herein geschritten und als dann auch mal der Bürgermeister kam, konnte die Trauung beginnen. Dabei wurden das kamerunische Ehegesetz vorgelesen, welches mir noch einmal einen ganz besonderen Kulturschock verpasste. In Kamerun ist es gesetzlich festgelegt, dass der Mann Chef im Haus ist und die Frau nicht zu diskutieren hat. Zudem setzte der Bürgermeister immer noch einen drauf und führte dieses  Rollenverständnis weiter aus, ich weiß nicht, ob das so normal ist oder er das nur gemacht hat, weil es eine deutsch-kamerunische Hochzeit war, aber mir ist das Lächeln echt aus dem Gesicht gefallen. Da ist es beruhigend, dass wir Natalie und Yannick kennen und wissen, dass die beiden sich schon gut gleich gestellt haben!

Nach der Trauung und unzähligen Fotos im Standesamt ging es in Autokolonne in einen Park, wo dann weiter Fotos geschossen wurde. Manchmal hab ich das Gefühl, in Kamerun zählt das Foto mehr, als der Augenblick und die Erinnerung selbst.

Anschließend ging es dann zu Yannicks schrillen Tante zum Empfang.

Danach durfte sich das Brautpaar ausruhen und die offizielle Feier ging abends weiter. Dafür gab es aber noch einiges zu tun!

Es sollte in der Schule von Yannicks Vater gefeiert werden und diese galt es nun her zu richten, eine passende Herausforderung für uns Freiwilligen. Also haben wir uns in Festkleidung und Pumps, Besen, Wischeimer und Putzmittel geschnaubt und losgeschrubbt. Es wurden Klassenzimmer ausgeräumt, Dekoration gebastelt, Zelte, Stühle und Tische aufgestellt und letztlich alles dekoriert. Nebenbei war noch das ganze Stadtviertel dabei, Rinder zu zerlegen, Gemüse zu schnippeln und für 300 Leute ein Festmahl über dem Feuer herzurichten!

Es war wirklich so unglaublich viel zu tun, aber bis 20Uhr innerhalb von 6 Stunden haben wir die Schule in eine Hochzeitslokation verwandelt und ein reiches Buffet auf den Tisch gezaubert, wow!

Und so konnte die Feier dann losgehen. In Kamerun ist es so üblich, dass die Gäste sich schon einmal einstimmen und das Brautpaar dann später dazu stößt. Letztlich kamen Natalie& Yannick dann um 23:30Uhr das Programm begann. Erst ein Tanz von den Bräutigamsschwestern, anschließend die lang ersehnte Buffet-Eröffnung, ein paar Reden, wir haben den deutschen Bettlaken-Kult gemacht, wo die beiden ihr Herz ausschneiden mussten und Yannick Natalie anschließend dadurch getragen hat, und es gab die offiziellen Familientänze. Ich hatte die Ehre von dem Bräutigamsbruder dafür aufgefordert zu werden!

Nach der Hochzeitstorte wurde dann noch frei ausgelassen getanzt und gefeiert und nach einem langen, aufregenden und schönen Tag, haben wir uns dann um 5Uhr verabschiedet und sind ins Bett gefallen.

Es ist einfach unglaublich, Natalie ist jetzt eine Ehefrau, hat nach nur 10 Monaten in Kamerun Yannick geheiratet, das finde ich sehr mutig.

Aber die beiden sehen ehrlich glücklich aus, ich wünsche ihnen alles Gute für ihre gemeinsame Zukunft

 

Nach einer kurzen Nacht klingelte Samstag Morgen der Wecker für Miri und mich schon wieder um 8 Uhr. Wir mussten unsere Zugtickets in den Norden reservieren, das klappte auch ohne Probleme, 1.Klasse für Sonntag war gebucht. Anschließend sind wir mit den anderen Mädels stoppen gegangen. Ein riesiger Supermarkt und Stoffladen standen auf dem Programm und auch der damit verbundene Kulturschock. Es ist ja nicht nur so, dass ich in Kamerun bin, nein ich ja auch noch in einem kleinen schnuckeligen Dorf, Baham. So und jetzt komme ich in Kameruns Hauptstadt und es ist einfach krass. Erst einmal unglaublich viele teure und vor allem heile Autos, dann so viele weiße Menschen auf den Straßen, wie ich die letzten 10 Monate nicht mehr gesehen habe und dann gibt es da auch noch richtige Geschäfte. Wir waren als erstes in einem Sportgeschäft, wo es die Markenkleidungen auf der Stange gab, Umkleiden zum Anprobieren, Verkäufer die beraten und Schuhe mit Schuhkartons zu kaufen! Und als sei das nicht genug, sind wir danach in den (wie ich glaube) auch für europäische Verhältnisse riesigen Supermarkt gegangen. Angefangen bei der köstlichen Bäckerei irrte ich durch alle Gänge, an Regalen vorbei, wo es Haarshampoo, Kekse und Konserven in allen möglichen Ausführungen gab. Es gab eine richtige Käsetheke und eine Fleischtheke und es gab Milch in Kühlregalen, Tomaten in allen Formen und Größen und es gab orange Orangen, so viele weiße Menschen und für alles gab es feste Preise, da war nichts mit verhandeln!!!

Wahnsinn, ein Kulturschock für mich, aber dennoch habe ich mich über Schoko-Knusper-Müsli und Cracker gefreut!

Erschöpft von dieser Reizüberflutung, ging es dann erst einmal wieder zurück in Kathas Wohnung, wo wir dann auch prompt alle erst einmal gute 2 Stunden unseren Nachtschlaf nachgeholt haben.

Den Abend verbrachten wir dann typisch kamerunisch in der Bar.

 

Für den Sonntag haben Miriam und ich geplant, die Hauptstadt richtig zu erkunden. Aber erst einmal wurde lecker gefrühstückt. Dafür wurde uns eine französische Bäckerei empfohlen. Dort hatten wir dann die Qual der Wahl, es gab alles von Schokocroissant über Törtchen hin zu Mini-Pizzen. Ich wählte ersteres mit einem guten Kaffe und dann haben wir uns an einen Tisch gesetzt, wir haben so richtig gemütlich in einem Café gefrühstückt, unglaublich!

Anschließend sind Miriam und ich durch das muslimische Viertel spaziert. Durch die kleinen Kassen der Wohnviertel, vorbei an Straßenverkäufern, fühlten wir uns doch endlich wieder etwas mehr wie in Kamerun und die entspannte Atmosphäre stimmt uns gut auf den ebenso muslimisch geprägten Norden ein.

Danach stand Bastos, das Regierungsviertel auf dem Plan, ein völliger Kontrast! Dort ist es unglaublich still, fast schon ausgestorben. Dicke Villen sind hinter noch dickeren Mauern versteckt und wir haben einfach keine Menschenseele auf der Straße gesehen. Dementsprechend schnell sind wir dann auch wieder geflüchtet.

Wir haben uns dann in ein Taxi gesetzt und den Taxifahrer gebeten, uns einfach für 2 Stunden mitzunehmen auf seiner normalen Tour durch die Stadt, eine original kamerunische Stadtrundfahrt! Diese hat uns übrigens genauso viel gekostet, wie das teure europäische Frühstück, 1.500cfr, 2,30 €!

Auf diese Weise konnten wir alle möglichen Ecken Yaoundés anschauen.

 

Le temps passe trop vite…

Autor: Christine | Datum: 20 Juni 2012, 11:22 | Kommentare deaktiviert

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die Zeit vergeht zu schnell!

So schnell, dass diese Woche für mich schon der Abschied von den Bewohnern anstand, die für die Ferien zu ihren Familien gehen.

Nach 10 Monaten, die ich jetzt mit diesem 19-köpfigen liebenswerten Chaotenhaufen gearbeitet und gelebt habe, war letzten Freitag dann also schon unsere Abschieds-Evaluation angesagt.

So haben wir beiden Freiwilligen uns mit allen Bewohnern und dem Personal des AHP²V zusammen gesetzt und es wurde zum letzten Mal gemeinsam gesungen und sich ausgetauscht.

Der Direktor fing mit seiner Abschiedsrede an und danach sollte jeder Bewohner etwas zu uns sagen.

Es kamen liebe Wünsche, Danksagungen und Erinnerungen zu Wort und spätestens nach dem 4 Bewohner sind dann bei mir die Tränen geflossen.

Später ging das Wort dann an Miriam und mich. Ich glaube ich habe sogar ziemlich alles sagen können, was ich wollte, bin alles losgeworden was zu sagen war und konnte mich für diese unvergessliche Zeit mit ihnen bedanken, bis mir die Tränen wieder den Hals zuschnürten.

Miriam ging es da nicht anders, sie hat mehr geweint, als dass sie reden konnte. Aber das zeigt einfach nur, wie sehr uns unsere Liebsten hier ans Herz gewachsen sind.

Am Ende der Evaluation haben wir dann noch Fotos für jeden verteilt und ich habe Kuchen ausgeteilt.

Donnerstag Abend habe ich 3 Kuchen ganz alleine mit geschätzten Mengenangaben angerührt und über dem Feuer gebacken. Und sowohl der Schoko- und Zitronenkuchen also auch der Möhrenkuchen sind wirklich lecker geworden!

Und damit, der Abschied nicht als eine einzige Heulerei in den Köpfen der Bewohner blieb, haben Miriam und ich Freitag Abend dann unseren Salon frei geräumt und die Musik aufgedreht.

Die AbschiedsFEIER stand auf dem Plan!

Und das hat wirklich Spaß gemacht. Wir haben mit allen getanzt, gesungen und den restlichen Kuchen, so wie auch Miriams selbstgemachten Krapfen und Limonade verspeist. Die Stimmung war ausgelassen und es war einfach ein schöner Abschluss unserer gemeinsamen Zeit.

Montag war dann Tag der Abreise und die offizielle Verabschiedung der Bewohner.

Einige Eltern sind persönlich gekommen, um ihre Kinder abzuholen und konnten so bei der Zeremonie teilhaben. Wir haben uns also noch ein aller letztes Mal versammelt und der Direktor Zacharie hat dann ganz offiziell verkündet, welcher Bewohner am saubersten, am hilfsbereitesten, am fleißigsten und am besten in der Schule war. Und danach wurden dann als Preise Seifenstücke verteilt. Es wurde dem Personal gedankt und zum Schluss gab es dann ein letztes Festmahl.

Dafür habe ich mit Mohammed Sonntag Morgen nach dem Aufstehen 4 Hühner geschlachtet (also er hat den Schnitt gemacht und ich habe ihn dabei festgehalten, weil er sonst nicht stehen bleiben würde).

Die gab es Montag dann zu Reis mit Tomatensoße und leckerem Kuchen.

 

Damit ging also alles zu Ende, meine gemeinsame Zeit mit den Bewohnern, meine richtige Arbeitszeit im AHP²V und irgendwie überhaupt.

Ich kann mir jetzt noch nicht richtig vorstellen, dass ich sie alle auf unbestimmte Zeit nicht mehr wieder sehen werde, aber das ist erst einmal auch besser so.

Jetzt wird es wieder ungewohnt ruhig im Zentrum, ich werde nicht mehr von Geschrei, lautem Fernseher oder Rollstuhlrennen geweckt, aber der laute Hahn kräht nach wie vor fleißig weiter ;)

Was mir bleibt ist die Erinnerung, an eine unvergessliche Zeit mit Menschen, die mir sehr ans Herz gewachsen sind.

Und dafür bin ich sehr sehr dankbar!

 

Dont cry that its gone,

Smile that it happened! J

 

Mit den Ferien fängt hier noch einmal ein neuer Abschnitt für mich an.

Ich habe für meine letzten 2 Monate keine Arbeit mehr und meine einzig guten Freunde in Kamerun sind mit den Bewohnern weg.

Das klingt ziemlich gewöhnungsbedürftig aber nach nichts, was ich nicht meistern könnte.

Ich möchte die Zeit nutzen, um noch mehr von Kamerun kennen zu lernen, herum zu reisen, ein paar Bewohner in ihren Familien zu besuchen und ansonsten hause ich mich bei Uli und Patrice oder bei den Bafoussam-Freiwilligen ein und genieße jede einzelne Minute meiner verbleibenden 10 Wochen!

 

So und um erst einmal einen Schnitt zu haben, fahren Miriam und ich Donnerstag nach Yaoundé in die Hauptstadt Kameruns.

Dort feiern wir Freitag dann erst einmal die Hochzeit einer befreundeten Freiwilligen und ihres kamerunischen Verlobten. Das muss natürlich gebührend gefeiert werden!

Das Wochenende sehen wir uns dann etwas die Hauptstadt Kameruns an und am Montag fahren wir mit dem einzigen Langstreckenzug in Kamerun nach Ngaroundéré und von da aus weiter nach Maroua.

Das heißt, unsere lang ersehnte Nordentour steht an, ein komplett neuer Kulturkreis und neue Landschaft werden für 2 Wochen erkundet.

Und wie es sich dort oben so leben lässt, erfahrt ihr dann beim nächsten Mal.

 

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