VEM-Freiwillige   2017/2018   2016   2015   2014   2013   2012   2011   2010   2009 

Ann-Christin | Annika | Benjamin | Carina | Charlotte | Christine | Ilva | Jan | Jonas M | Jonas P | Lina | Moritz | Nadine | Robert | Svenja | Till | Vincent

Menu:

Archiv

Blog durchsuchen:

Alltag kehrt ein

Autor: Christine | Datum: 29 September 2011, 21:29 | Kommentare deaktiviert

Normal 0 21 false false false FR X-NONE X-NONE MicrosoftInternetExplorer4

Ich bin jetzt schon über einen Monat in Kamerun und mittlerweile kehrt auch bei mir ein bisschen Arbeitsalltag ein und das ist auch gut so! Die Wochentage sind optimistisch von meinem Tutoren Zacharie durchgeplant worden und Miriam und ich sind nun für die Umsetzung zuständig.

Morgens unterrichten wir mittlerweile 5 Kinder: Lionel, Ange, Carine, Michelle und Winnie (bei ihr hab ich erst gestern rausgefunden, dass sie ein Mädchen ist. Ich war fest vom Gegenteil überzeugt und habe mich immer darüber empört, dass dem Jungen hier Kleider angezogen werden. Aber bei einem kahl rasierten Kopf und einer tiefen Stimme ist das hoffentlich zu entschuldigen.) Das Unterrichten klappt ganz unterschiedlich gut, je nachdem, wie die Kinder drauf sind. Was es so schwierig macht ist einfach, dass eigentlich alle 5 extremst unterschiedlich zu fördern sind. Carine ist die einzige, die wirklich “schulreif” ist, mit ihr rechnen, schreiben und lesen wir. Lionel ist schwerhörig und ihm müssen wir erst einmal sprechen beibringen, Vokale, Artikulation und so weiter. Michelle und Winnie müssen beide stark motorisch geschult werden. Für die beiden heißt es beim ständigen Ausmalen: “Fais attention à la ligne!” Und nach und nach kennen auch sie das rote Herz, das blaue Dreieck und das grüne Quadrat…

Und Ange, der neuste Schüler, testet erst einmal all seine Grenzen aus, und es liegt dann an uns ihm diese aufzuzeigen. Wir bevorzugen dabei die gewaltlose Methode, was die Sache bei Kindern, die es gewohnt sind mit Schläge erzogen zu werden, nicht gerade leichter macht. Mal sehen…Auf jeden Fall ist es ein vielfältiger, abwechslungsreicher und fordernder Job diese handvoll Kinder zu unterrichten.

Allgemein ist es eine ziemlich bunte Mischung an Menschen hier im Zentrum. Die Altersspanne reicht von 8 bis 28 und auch die Behinderungen reichen von Epileptiker bis Rollstuhlfahrerin. Aber was einfach toll zu sehen ist, ist wie selbstständig hier alle sind und sich ganz selbstverständlich gegenseitig bei allem helfen. Das macht eine wirklich tolle, familiäre Atmosphäre.

Nachmittags arbeiten wir dann im “Atelier des femmes” und es wird genäht, gestickt und Schmuck hergestellt. Ich hab schon einiges gelernt und heute mein erstes eigenes Portemonnaie fertig gestellt. Es ist etwas kleiner und krummer geraten, als eigentlich geplant, aber abgesehen von einem mini Loch wird es seinen Zweck erfüllen!

Bei Gelegenheit (gutem Wetter und reifer Ernte) steht dann auch Gartenarbeit auf dem Programm: Kamille, Mais und Erdnüsse ernten.

Später sollen wir eigentlich jeden Tag Musik- oder Sportprogramm machen. Dazu ist es bislang aber eher weniger gekommen, wir haben uns höchstens mal zum Singen zusammen gesetzt und dann auch nur die Kinder. Mal sehen, wie wir uns da noch arrangieren.

Abends folgt dann noch einmal eine Stunde Hausaufgabenbetreuung und danach ist Feierabend angesagt.

Zwischendurch helfe ich der Köchin MaPo. Das Zubereiten von 3 Mahlzeiten für 19 Bewohner und eine handvoll Personal ist nämlich in einer traditionellen Küche (großer Topf und Feuerstelle) wirklich nicht ohne.

Dienstags und Donnerstag kommen Uli und Patrice und machen mit den körperlich Eingeschränkten Physiotherapie. Dort gucke ich gerne zu und mache noch lieber mit.

Das klingt vielleicht wie ein straffes Programm, aber die Zeiten sind recht grob gefasst und letztlich läuft hier sowieso alles wie es kommt. Also bleibt immer noch genug Zeit für lange Spaziergänge durch die Traumhafte Landschaft oder für ein Bier (“Export”, “Mützig” ^^) mit dem Polizeichef.

Und das Wochende haben wir immer zur freien Verfügung. So sind Miriam und ich letzten Samstag das erste Mal alleine mit dem Taxi (natürlich zu 8 in einem Auto) nach Bafoussam gefahren und sind dort über den Markt gebummelt. Und ja ich schaffe es auch in Afrika (oder gerade hier?!) in einen Kaufrausch zu fallen! So habe ich jetzt zwei wunderschöne neue Stoffe aus denen ich neue einzigartige Klamotten nähe(n lassen) kann und meine erste neue Handtasche hab ich mir schon in der zweiten Woche angeschafft, aber so eine hab ich auch noch nicht!…:P

Ihr seht also, mein Leben hier nimmt mehr und mehr Gestalt an und darüber bin ich auch sehr froh.

 

Liebste Grüße, ich denk an euch!

Normal 0 21 false false false FR X-NONE X-NONE MicrosoftInternetExplorer4

 

Von Neuigkeiten, Minderheiten und Sicherheiten...

Autor: Christine | Datum: 20 September 2011, 20:19 | Kommentare deaktiviert

Normal 0 21 false false false FR X-NONE X-NONE MicrosoftInternetExplorer4

Ich kann mich einfach nicht entscheiden, ob die Zeit hier schnell oder langsam vergeht.

Prinzipiell sind die Kameruner extremst gelassen und Pünktlichkeit haben die einfach mal noch weniger drauf als ich. Aber das stört auch niemanden, man kommt und geht, wenn es passt. (Hier im Zentrum ist das aber anders, Zacharie pflegt die genauen Zeiten!) Auf der anderen Seite ist hier alles auch irgendwie sehr hektisch, chaotisch, laut und schnell durcheinander, insbesondere der Straßenverkehr.

Für mich vergehen hier die Tage ganz unterschiedlich. Es gibt Tage, da fange ich morgens mit dem Unterrichten an und danach, arbeite ich im Atelier, putze, schreibe, lerne und wasche irgendwas. Damit ist der Tag dann gut gefüllt und abends wird sich (solange Storm da ist) ein Film angeschaut.

Aber dann gibt es hier auch wieder Tage, die einfach nicht umgehen wollen. Das sind dann Tage mit weniger Arbeit und mehr Zeit euch hart zu vermissen. Aber im ernst, das Jahr hat 52 Wochen und davon bin ich jetzt schon über 3 Wochen hier in Kamerun, das ist Zeit, die so betrachtet, schnell vergeht!

 

Miriam ist letzten Donnerstag endlich angekommen und ich verstehe mich wirklich sehr gut mit ihr.

Es ist einfach gut noch jemanden dabei zu haben, der das gleiche durchmacht, wie ich und mit dem ich dann endlos quatschen kann. Mit Miriams Ankunft hat dann für uns auch das Unterrichten von 3 Schülern begonnen. Das wiederum klingt wenig, aber diese 3 Kinder können uns beide ganz schön auf Trapp halten. Sie haben alle drei verschiedene Einschränkungen, Stärken und Schwächen. Und jeder hat sozusagen seinen individuellen Lehrplan von uns. Das ist wirklich ein vielseitiger Job! Aber trotz aller Anstrengung hatte ich schon meine ersten Lehrerfolge und ein schwerhöriger Junge, der vorher nicht richtig sprechen konnte, kann jetzt nach einer Woche selbstständig bis 4 zählen, das ist cool! :D

Das letzte Wochenende hatten wir keinen Storm und  Wasser kommt und geht, wie es lustig ist. Das kann ganz schön nervig sein, aber es ist witzig zu sehen, wie sehr wir uns mal über eine Stunde Wasser oder wenn das Licht plötzlich wieder angeht, freuen. Solche stromlosen Abende verbringt man dann zu zweit mit Kerzenlicht über einen Topf selbst gekochten Spaghetti und viel Erzählstoff. Hat auch was!

Aber keine Sorge, beides kommt irgendwann immer wieder und so haben wir die lezten 2 Tage fast durchgehend Storm UND Wasser, welch ein herrlicher Luxus!

 

Gestern und Heute hat uns Zacharie allen wichtigen Leuten aus Baham und der Umgebung vorgestellt. Das heißt, wir sind von einem Präsidenten zum anderen gefahren, haben Hände geschüttelt, wenig verstanden und viel gelächelt. Aber jetzt ist mein Adressbuch voll mit neuen wichtigen Handynummern von noch wichtigeren Menschen. So hab ich jetzt die Handynummer von gefühlt jedem Mann mit einer Knarre und der Berechtigung sie auch einzusetzen. Und das alles natürlich nur für unsere Sicherheit:

Die Gendarmerie, Politik und Polizei kennt jetzt unsere Gesichter und weiß, wo wir hingehören und wir wissen jetzt, welche Nummer wir in Notfällen wählen können. Die Leute sind hier wirklich sehr hilfsbereit und spätestens jetzt kann mir hier auf dem Dorf wirklich nicht mehr viel passieren.

 

Ich lebe mich hier also immer mehr ein, bessere jeden Tag mein Französisch auf und fange langsam aber sicher endlich an richtig zu arbeiten.

 

In diesem Sinne, ich denke an euch, Liebe Grüße aus Baham!

 

 

Vom Dancen, Debattieren und Doesen: Kirche in Kamerun

Autor: Christine | Datum: 12 September 2011, 14:38 | Kommentare deaktiviert

Normal 0 21 false false false FR X-NONE X-NONE MicrosoftInternetExplorer4

Kirche ist hier nur wirklich ein Thema für sich! Ich bin jetzt seit 2 Wochen hier in Baham und war schon in 3einhalb Gottesdiensten (Godi). Davon waren mind. 2 auch noch  besondere Godis, was bedeutet, anstatt normaler 3 Stunden, dauerten diese gut und gerne auch mal 5 Stunden!!

GoDi läuft hier komplett anders ab, als in Deutschland. Es ist viel aktiver, geselliger, verpflichtender und offener (ob das nun gut oder schlecht ist, weiß ich auch noch nicht wirklich?!).

In einen GoDi gehört hier auf jeden Fall viel Musik: Gesang, Trommeln, etc. Es sind mindestens immer 3 verschiedene Chöre vertreten, die ihre Klänge preisgeben. (Mal sehen, ob ich mich einem Chor anschließe, das würde bedeuten, ich müsste jeden Sonntag in die Kirche und ääähm ja^^)

Aber zur Musik gehört hier auch immer Bewegung und die Kirche tanzt!

Auf der anderen Seite wiederum wird hier in der Kirche auch sehr ausgiebig geredet, gepredigt, erzählt und vor allem diskutiert. Manchmal hat der GoDi eher den Anschein einer politischen Sitzung , als eines Gotteslobes. Hier halten Leute mitten im GoDi Reden über Polygamie, Homosexualität und andere schwierige Themen. Dabei stimmt die Gemeinde auch immer lauthals ein und stimmen dem vollkommen zu, dass Polygamie im Gegensatz zu Homosexualität jawohl kein Verbrechen ist! (Für Homosexuelle stehen hier 5 Jahre Knast aus!)

Und gerade jetzt, wo ich wirklich nur ein Minimum von dem Verstehe, was 4 Stunden debattiert wird, ist Gottesdienst für mich hier einfach nur anstrengend und ermüdend. Aber in der Kirche spielt sich eben auch das Dorfleben ab.

Apropos ermüdend: Hier gilt, wer ein guter Christ sein will, der muss regelmäßig jeden Sonntag in die Kirche gehen. Aber wenn man sich dann dort umschaut, ist es allen Ernstes ganz normal, dass ein Großteil der Gemeinde die Hälfte des Godis verschläft!! (Die andere Hälfte wird getanzt :P)

Wo bleibt denn da die Moral? Ich appelliere für kürzere GoDis mit weniger Schlaf! Das sollte dem treuen Christen doch eigentlich logisch sein, oder nicht?

Aber keine Sorge, ich werde mich hüten, hier eine Kirchenreform hervorzurufen! :D

 

Auf eine neue Woche, voller neuer Dinge.

Miriam, meine Mit-Freiwillige kommt Donnerstag endlich an, und ich hoffe, dass mein Arbeitsalltag dann richtig los geht und ich dann weniger Zeit habe, euch zu vermissen.

 

Bis dahin, Liebste Grüße

 

Meine erste Woche in Baham, Kamerun

Autor: Christine | Datum: 05 September 2011, 20:59 | Kommentare deaktiviert

Normal 0 21 false false false FR X-NONE X-NONE MicrosoftInternetExplorer4

Die erste Woche im fremden Land hab ich jetzt schon hinter mir und es war eine Woche mit vielen vielen neuen Eindrücken.

Zur Zeit sind noch Ferien und so hatten Esther und Christel (noch-DED-Freiwillige und Tochter der Leitung) Zeit mich ein bisschen durch Baham zu  führen. Ich bin sehr froh, dass Esther noch hier ist und mir bei all den Kleinigkeiten hilft, die ich hier noch nicht gebacken kriege, sei es französisch sprechen,  eine Handykarte kaufen, fremdes Essen essen oder dass sie mir erklärt, wie die Eimerdusche funktioniert (wir haben hier seit 2 Monaten kein fließend Wasser mehr).

Montag waren wir hier auf dem Markt, was eine einzige Reizüberflutung war!

Überall neue Früchte und Gewürze und unglaublich viele Menschen auf der Straße. Dabei hab ich mir auch gleich meinen ersten Sonnenbrand geholt. Die Sonne hier ist einfach unwahrscheinlich stark am brennen und irgendwie steht sie immer senkrecht. Dabei ist es jetzt zur Regenzeit gar nicht so heiß und die Sonne kommt nur manchmal so extrem raus.

Leider musste Esther am Mittwoch nach Yaoundé zu ihrem Abschlussseminar. Für mich hieß das, dass ich für 5 Tage zu der Familie von Monsieur Zacharie gezogen bin. Ich hatte ein paar Bedenken dabei, weil ich jetzt auf mich selbst und meine Sprachkenntnisse angewiesen war. Aber jetzt im Nachhinein denke ich, dass das ziemlich gut war, um mein Französisch zu trainieren, das kamerunische Familienleben kennen zu lernen und mich mit den Menschen an zu freunden. Ich verstehe mich wirklich sehr gut mit Christel!

Donnerstag habe ich dann also den ganzen Tag mit der Familie von Zacharie auf dem Feld gearbeitet und Erdnüsse geerntet. Und das von morgens halb 10 bis Abends um 18 Uhr, das heißt ich habe 8,5 Stunden durchgearbeitet. Danach war ich wirklich k.o., hatte mir aber mit meinem Fleiß den Respekt der Familie erarbeitet. Seit dem heißt es nur noch, “Christine du bist so stark. Christine du bist so brav!” :D naja…

Am Freitag habe ich dann gesagt, dass ich lieber mit Monsieur Zacharie ins Zentrum fahren würde, als noch einmal Erdnüsse zu ernten. Im Zentrum haben wir dann den Salon umgestaltet, so, dass wir Freiwilligen jetzt ein eigenes Haus haben mit eigener Küche, Salon mit dicken Bambussesseln und Badezimmer. Das ist wirklich sehr gemütlich und gesellig.

Am Wochenende war in Bafoussam anlässlich des 30jährigen Jubiläums der Partnerschaft zwischen der EEC (Eglise Evangélique du Cameroun) und der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) ein großes Fest. Und dazu war Monsieur Zacharie mit mir eingeladen. Das bedeutete 5 stündige Gottesdienste und nette Gespräche mit Deutschen. Ich habe dort sogar noch 2 andere Freiwillige getroffen, die jetzt ihr FSJ in Gangster-Douala machen. Eine der beiden Mädels kannte ich vom Auswahlseminar der VEM, wo sie aber nicht angenommen wurde. Wie klein die Welt doch eigentlich ist! Jetzt sind beide mit dem EEC (Evangelischer Entwicklungsdienst Deutschland) ausgereist. Und natürlich wurden sofort Nummern ausgetauscht, da es wirklich sehr sinnvoll ist hier Freiwilligen-Kontakte zu knüpfen.

 

Alles in allem merke ich, wie ich mich jeden Tag ein bisschen mehr einlebe, wenn auch nur langsam. Das hier ist einfach eine komplett fremde Welt. Ich vermisse euch ziemlich dolle, aber ich bin mir sicher, dass sich das legt mit dem richtigen Arbeitsalltag und meiner Mitfreiwilligen, Miriam die in knapp 2 Wochen ankommt. Ich freu mich, wenn mit den Bewohnern hier endlich etwas mehr Leben einkehrt und ich eine geregelten Arbeitstag habe!

Bis dahin wird sich durchgebissen und die Sprache gelernt!

 

Liebste Grüße aus Baham!

 

P.S.: Ich liebe die Früchte hier, sie sind einfach tausendmal aromatischer als bei uns.

P.P.S.: Die Landschaft ist hier in den Bergen wirklich wunderschön. Meine Lieblingsbeschäftigung hier ist bei Zacharie im Auto mitzufahren. Zum Einen weil man dann die Landschaft betrachten kann und zum Anderen, weil die Strecken hier einfach richtig Spaß machen, es ist gerade jetzt zur Regenzeit eine einzige Matsch-Rallye! Rauf und Runter und durch Schlaglöcher in allen Größen, hier muss man wirklich gut Auto fahren können!