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Die Besteigung meines ersten 4000ers

Autor: Christine | Datum: 13 November 2011, 17:42 | Kommentare deaktiviert

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Letztes Wochenende habe ich hier meinen ersten großen Ausflug gemacht. Innerhalb von 3 Tagen bin ich mit 16 anderen deutschen Freiwilligen den Mont Cameroun hoch geklettert und wieder runter gestolpert. Es war ein unvergessliches Abenteuer:

Donnerstag nach Feierabend haben Miriam und ich uns aufgemacht nach Bafoussam, um die Nacht dort bei den Freiwilligen zu verbringen. Freitag früh ging dann unsere 8 Stunden Busfahrt nach Buea los. Die Busfahrt war überraschend komfortabel (jeder hatte seinen EIGENEN Platz!) und verlief ohne Probleme. So sind wir also gut in Buea angekommen und hatten noch Zeit uns die Stadt etwas an u schauen. Buea ist eine richtig Studentenstadt und die Uni ist wirklich schön. Zudem ist die ganze Stadt unglaublich sauber und es gibt sogar Bürgersteige, Wahnsinn!

Samstag Morgen ging es für uns dann um 6 Uhr los. Wir haben uns mit unseren beiden Guides getroffen und unsere Porter kennen gelernt. Die Porter waren junge, sportliche Kameruner die unsere fetten Back-Packs plus 3-Tages Proviant den Berg rauf geschleppt haben. Ohne die wäre wohl niemand von uns oben angekommen! Mein Porter hat mir erzählt, dass er in der Woche bis zu 5 Mal auf den Berg steigt! Zudem haben unsere Guides und auch die Porter diese Tour in Flip-Flops gemacht, einfach unglaublich…

Wir Wanderleien haben uns dagegen perfekt ausgerüstet und den Berg trotzdem nicht so locker gemeistert, wie besagte Guides und Porter.

Allgemein sind wir 1,5 Tage aufgestiegen, so dass wir Sonntag Mittag um 13Uhr auf der Spitze angekommen sind, und sind 1,5 Tage abgestiegen. Für mich war definitiv der Abstieg die größere Qual. Das Aufsteigen war nur eine Frage der Kondition und der Beinmuskulatur. Das Absteigen hingegen forderte große Konzentration, gesunde Knie und rutschfeste Schuhe.

Aber erstmal zum einfacheren Teil:

Unser Aufstieg führte uns am Samstag zunächst durch den urigen Regenwald. Die Wege waren zum Teil so verwachsen, dass unser Guide (der übrigens gefühlte 80 Jahre alt war) mit der Machete in der Hand voraus gegangen ist und uns den Weg frei geschlagen hat. Als wir den Regenwald hinter uns gelassen haben, folgte die Savanne und damit der anstrengendste Teil der Tour. Hier war die Steigung am steilsten und so ging es nur langsam voran. Aber irgendwann kam der Punkt, an dem wir über der Wolkendecke standen und Douala, Buea, Limbe und den Atlantik gleichzeitig sehen konnten. Für mich war das glaube ich der schönste Augenblick der ganzen Wanderung. Stellt euch das mal vor, ich bin mit meinen eigenen Füßen, meiner eigenen Kraft bis ÜBER die Wolken gestiegen!!! WOW !!!

Die Nacht haben wir in einer Berghütte geschlafen und wurden zum Abendbrot von unseren Portern lecker mit Reis bekocht.

Sonntag ging es dann darum, die Spitze zu erreichen. Nach der Savanne sind wir irgendwann nur noch über Lavagestein gewandert (der Mnt Cameroun ist ein Vulkan) und um 13Uhr hatten wir es dann geschafft. Ich stand auf 4090m Höhe und habe diesen Berg geschafft. Auf der Spitze war es zwar sehr nebelig, so dass wir nicht die mega Aussicht hatten, aber letztlich ging es auch nur darum, angekommen zu sein und das haben wir gut geschafft!

Nur leider muss man so einen Berg dann auch wieder runter kommen…ich persönlich wäre wirklich lieber noch 2000m hoch gestiegen, als das ich mich diesen ganzen Berg wieder runter schleppe. Aber da blieb mir leider nichts anderes übrig. Wie schon gesagt, es forderte Konzentration, gesunde Knie und festes Schuhwerk. Der erste Teil war noch nicht so steil und so konnte ich sogar ein Stück einfach nur runter rennen, wobei ich da schneller geworden bin, als meine Beine konnten :D

Als es dann wirklich steil runter ging, haben meine Knie angefangen zu brennen und ich musste mich etwas ausbremsen. So gehörte ich mit einem Mal nicht mehr zu den Ersten, wie beim Aufstieg, sondern führte die Letzten an und bin sachte in Zick-Zack-Linien bis zum nächsten Rastplatz gekommen. Die Pausen waren für unsere Gruppe immer besonders wichtig und es wurde sich regelmäßig mit Bananenchips, Möhren und Keksen gestärkt.

Bei dieser Pause warteten wir auf Miriam, von der wir dachten, dass sie mit einem Porter nach kommt, da sie Atemprobleme hatte (die Luft wird merklich dünn da oben). Als wir schon fast 2 Stunden gewartet hatten wurden unsere Guides unruhig, da bald die Sonne untergehen sollte und wir bis zu unserer Schlafstätte noch 4 Stunden laufen mussten und noch durch ein ganzes Lavafeld mussten. Keiner wusste wo Miriam und der Porter steckte und schließlich haben wir uns entschlossen uns zu unserem sicheren Schlafplatz auf zu machen, in der Hoffnung, dass Miriam schon dort ist. So wurden wir also in einem Wahnsinns Tempo über dieses Lavafeld gehetzt, damit wir zumindest dieses noch im Hellen hinter uns bringen konnten. Es ist echt ein Wunder, dass niemandem die Bänder gerissen sind, oder sonst nichts passiert ist. Als es dann dunkel wurde, haben wir uns mit Stirnlampen ausgestattet, nur hatte meine leider einen Wackelkontakt. Wir hatten echt noch einen lange Strecke vor uns und unsere Guides haben uns ordentlich gehetzt. Aber um 21:30 sind wir dann auch endlich angekommen und Miriam saß schon seit 18Uhr mit unserem Porter da und hat sich gefragt, wo wir bleiben…oh man, aber immerhin ist niemanden etwas passiert!

So sind wir extremste erschöpft, aber glücklich in unsere Zelte gekrochen und haben tief am Rande des Regenwalds geschlafen. Mein Knie war zu dem Zeitpunkt schon auf das 3fache angeschwollen und meine Füßen waren übersäht mit Blasen.

Der letzte Tag konnte also kommen.

Ich, ausgestattet mit Kniebandage, Blasenpflaster und Wanderstock, habe dann Montag endgültig meine Schmerzgrenze kennen gelernt. Der Abstieg durch den Regenwald, über Stock und Stein, mit blutigen Blasen war für mich wirklich hart. Zudem hat unsere Gruppe den Nahrungsvorrat für die 3 Tage schlecht eingeteilt, so das wir am letzten Tag nichts mehr zu Essen hatten und ich mir mit Miriam einen Liter Wasser teilen musste. Und ein halber Liter bei so einer Anstrengung im tropischen Regenwald, nein, das reicht nicht wirklich!

Aber so erging es ja nicht nur mir (wobei ich ungeschlagene Blasen- und dickes-Knie- Dschungelkönigin bin), und so haben wir uns als Gruppe durch den letzten Tag gekämpft, brüderlich Wasser und die letzten Bananenchips geteilt und sind letztlich Montag Nachmittag um 17Uhr endlich unten in Beua angekommen. Ich konnte gar nicht mehr in der Ebene laufen, aber wir waren alle wirklich glücklich.

 

Dieser Trip war für mich auf jeden Fall ein unvergessliches Erlebnis!

Ich habe eine wunderschöne Landschaft gesehen, die immer wieder gewechselt hat.

Ich bin mit meinen eigenen Füßen bis über die Wolken geklettert, habe einen 4000er bestiegen.

Es war eine Grenzerfahrung, wobei sich aller Schmerz gelohnt hat.

Wir waren eine tolle Gruppe, die sich gegenseitig getragen hat und ich bin wirklich stolz auf mich! :P

Gestern haben Miriam und ich noch einen 5-Stunden-Waschmarathon hinter uns gebracht und damit sind jetzt auch die letzten Überbleibsel des Berges beseitigt.

Das war auf jeden Fall so ein Erlebnis, wie ich mir viele dieses Jahr wünsche, genau so soll dieses Jahr für mich sein! J Auf weitere Abenteuer und gute Schutzengel!