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Mein kamerunisches Weihnachten und der Versuch doch etwas Deutsches zu behalten

Autor: Christine | Datum: 29 Dezember 2011, 16:26 | Kommentare deaktiviert

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Allgemein sind auch hier jetzt Weihnachtsferien und die Bewohner sind nach Hause gefahren. Nur 6 sind hier geblieben, weil sie von ihren Familien aufgrund ihrer Behinderung verstoßen worden sind oder die Familien einfach zu arm sind.

So verbringen Miriam und ich also gemeinsam mit Carine, Jordan, Assan, Raoul, Amadou und Mohammed unsere Ferien hier, kochen gemeinsam und haben auch Weihnachten zusammen gefeiert.

Freitag Abend (23.12.) war ich mit meiner “Gastschwester” Christelle (Tochter des Direktors) bei ihrem Chorkonzert. In den Tagen vor Weihnachten hat hier jeder Chor einen Abend ein Konzert, wo sie dann Chorstücke präsentieren, Solo singen, tanzen und ein Theaterstück aufführen. Das Ganze hat mich ziemlich an Ten Sing- Konzerte erinnert und hat richtig Spaß gemacht anzuschauen. Und wie es in Kamerun wohl so üblich ist, war die Kirche mal wieder richtig am Feiern. Das ganze hat bis um halb1 nachts gedauert und so kamen Christelle und ich ziemlich spät ins Bett, was aber keinen Kameruner davon abhält, morgens um 6 schon wieder mit der Arbeit anzufangen! So hieß es auch für mich den Heiligabend- Morgen Küche, Bad, Schlafzimmer putzen, abwaschen, und nicht zu vergessen: 3 Stunden Bohnen ernten!!

Bei so einer Arbeit, 35Grad Sonnenschein und keinem Lebkuchen, fiel es mir wirklich schwer in feierliche Weihnachtsstimmung zu kommen. Das Weihnachtlichste waren für mich frische Orangen, blühende Weihnachtssterne, Erdnüsse und das Kerzenlicht bei Stormausfall.

Ich war den Tag also eigentlich ziemlich genervt und habe viel zu viel darüber nachgedacht, was ihr jetzt für ein schönes, klassisches Weihnachten feiert.

Später, als ich dann nach getaner Arbeit meine Eimerdusche genommen habe (Wasser war mal wieder abgestellt) und mich in Schale geworfen habe, beschloss ich, dass es ja Blödsinn ist, Weihnachten in Kamerun mit deutscher Weihnacht zu vergleichen und mit der Einsicht ging es mir dann auch wieder besser!

So habe ich mir Miriam und die 2 kleinen Bewohner, Carine und Jordan, geschnappt und wir sind in die Kirche zur Aufführung der Kinder gegangen.

Den Heiligabend haben Miriam und ich uns dann ein bisschen deutsch gestaltet. Erst einmal haben wir Bratkartoffel- Omelette gemacht, lecker Orangen gegessen und uns einen Wein gegönnt. Zudem haben wir den Versuch gestartet deutsche Weihnachtslieder zu singen und haben sogar Bescherung gemacht. So hatten wir doch noch einen besonderen Heiligabend, der wirklich Spaß gemacht hat.

In Kamerun ist der 25.12. Dann der große Feiertag.

Uli und Patrice, unsere Physiotherapeuten der VEM, haben den Tag mit uns verbracht und so waren wir ein herzlich bunter Haufen.

Morgens ging es also wieder in die Kirche. Wir sind leider, dank des gestrigen Rotweins und Carines Waschmarathon (in die Kirche geht man besonders gut gewaschen! :P), mit einer ¾ Stunde Verspätung eingetroffen, aber das fällt hier auch nicht wirklich auf, Andere waren erst nach der Predigt da. :P

Der Gottesdienst war sehr feierlich, mal wieder laut und lang, aber ich brauchte das auch für mein Weihnachten, so war das auch sehr schön!

Nachmittags haben wir dann das Festmahl vorbereitet. Dafür mussten 2 unserer Hühner dran glauben und eigenhändig geschlachtet werden. Ich hab mir die 2 nervigsten Hühner (die Miriam sogar schon einen Besuch im Schlafzimmer abgestattet haben) ausgesucht und mir genau erklären lassen, wie man sie letztlich schlachtet. Interessant, aber ich bin dann doch lieber davon fern geblieben und habe das den Jungs überlassen.

Für die Kameruner ist das einfach völlig normal und sogar der Kleinste weiß, wie man die Kehle durchschneidet oder den Kopf umdrehen muss (Muslime schneiden, Christen drehen).

Und von wegen, Hühner laufen noch weiter, wenn man ihnen den Kopf abschneidet! I

Ich habe mir erklären lassen, dass das nur passiert, wenn man den Schnitt falsch macht, VOILÀ.

Als die Hühner dann schon gerupft waren, habe ich zugesehen, wie man sie zerlegt und alles da raus holt. Für mich war das eine gruselige Mischung aus Faszination, Neugier und Ekel, aber ich konnte dafür abends dann Reis mit Hühnchen in Tomatensoße genießen!

Zudem habe ich mit den Bewohnern noch Pfannekuchen gebacken und es gab Schoko- Pfannekuchen zum Nachtisch. Nicht das klassische deutsche Festmahl, aber meine Pfannekuchen haben geschmeckt :P

Nach dem Essen wurde auf kamerunische Art und Weise gefeiert.

Hier ist nämlich sowohl Weihnachten, als auch Silvester einfach eine riesige Party. Nach dem Familienessen gehen die Leute raus und feiern in Bars oder tanzen zu der dorfbeschallenden Musik auf den Straßen.

Wir haben also unseren Salon frei geräumt und es ihnen gleich gemacht.

Tanzen mit Krücken oder im Rollstuhl ist eine Nummer für sich, aber macht mindestens genauso Spaß!

Alles in allem hatte ich also auch ein schönes, definitiv anderes und besonderes Weihnachtsfest. Wir haben das Beste draus gemacht und es war schön so!

                                                                                      
Ich hoffe, ihr habt die Feiertage auch gut hinter euch gebracht und ordentlich Lebkuchen, Glühwein und Weihnachtsgans geschlemmt!

 

Rutscht gut ins neue Jahr 2012, wie wir uns dann schon wieder sehen J

 

Mit aller liebsten Grüßen und Wünschen fürs neue Jahr,

 

Eure Tine

 

kmerunische Kultur Teil 2: vom traditionallen und modernen Feiern!

Autor: Christine | Datum: 14 Dezember 2011, 12:05 | Kommentare deaktiviert

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Letzten Samstag hat uns Zacharie abgeholt, um mit uns zu einer Funeraille zu fahren. Das ist ein großes traditionelles Fest, welches die Angehörigen und Freunde eines Verstorbenen mehrer Jahre nach seiner Beerdigung feiern, um noch einmal an ihn zu denken.

Es waren wirklich viele Menschen anwesend und alles war sehr schön hergerichtet, Festzelt und Menschen gleicher Maßen. So ein Fest dauert normaler Weise 5 Tage und beinhaltet diverse Zeremonien, Gottesdienste und Festmähler. Wir waren aber nur den einen Vormittag da, um uns eine Zeremonie anzuschauen. So hatten wir die Gelegenheit noch einmal traditionelle Tänze mit Kostümen, Musik, und Schüssen zu bestaunen. Ich finde diese Zeremonien wirklich faszinierend und es ist einfach beeindruckend, wie fest die Menschen hier noch in ihren Traditionen verankert sind und wie sie darin aufgehen. Ich find das einfach spannend und glaube, dass das in Deutschland fehlt.

 

Abends ging das feiern für Miriam und mich dann auf andere Art und Weise weiter. Durch die Bafoussam-Freiwilligen waren wir auf einem 21. Geburtstag einer Kamerunerin eingeladen.

Es wurde ein Hotelzimmer gebucht, wo sich alle Mädels vorher getroffen haben, um sich gemeinsam schick zu machen (und www einer sagt noch mal, Frauen müsste hier verschlossen angezogen sein. Ich war bei den Outfits der Kamerunerinnen leicht geschockt und sah daneben aus, wie die Unschuld persönlich!). Und nicht anders als bei uns, wurden dabei auch tausende Fotos geschossen und albern gekichert. Als dann irgendwann alle soweit waren, sind wir ins “Kabarette” gegangen, wo eine Band Live-Musik gespielt hat. Dort haben wir dann erst leckeres Geburtstagsessen mit frittierten Plantaines (süße Bananen), Popcorn, Fisch und Kuchen gemacht haben.

Gegen 24Uhr sind wir dann in den hoteleigenen Club gegangen, eine wirklich schnieke Diskothek. Dort hatten wir eine Sofalounge für uns, wo schon Getränke bereit standen. Uns so konnte eine lange Tanznacht losgehen.

Das Ding ist nämlich, dass man in Kamerun, wenn man Nachts los geht, erst morgens bei Sonnenaufgang wieder auf die Straße geht. Man tanz also zwangsläufig bis um 6Uhr morgens durch, weil es zwischen 23Uhr und 5Uhr einfach zu gefährlich auf den Straßen ist, da geht auch kein Kameruner vor die Tür.

So habe ich also die ganze Nacht ausgiebig zu bekannter Housemusik, Rock’n Roll und kamerunischen Rhythmen getanzt. Es hat einfach richtig Spaß gemacht, da es mir schon ziemlich gefehlt hat, so zu feiern und anschließend mit Piepen im Ohr nach Hause zu gehen!

Kameruner tanzen übrigens mit Vorliebe vorm Spiegel und sehen sich selbst bei ihren lasziven Posen zu, auch sehr amüsant, aber definitiv nicht mein Ding! Auf der anderen Seite tanzt man hier einfach nie alleine und dafür mit umso mehr verschiedenen Tanzpartnern.

Als es dann draußen wieder hell wurde, gingen haben wir uns dann auf den Heimweg gemacht. Eigentlich wollte Miriam und ich bei den anderen Freiwilligen schlafen, aber wir haben uns dann doch für das westfälische Nach-Disko-Spiegelei entschieden und anschließend ein Taxi zurück nach Baham genommen.

Im Zentrum angekommen schliefen nur leider noch alle und wir waren ausgesperrt. So haben wir uns im Hof mit unseren Schlafsäcken auf eine Bank gelegt und gewartet bis wir glücklich und erschöpft ins Bett fallen konnten.

Das ganz hat mir richtig Spaß gemacht und war mal eine komplette Abwechslung.

Zudem hat mich die ganze Aktion einfach total an Wochenenden in Deutschland erinnert!  :)

 

kamerunisches Kulturprogramm vom Feinsten :)

Autor: Christine | Datum: 05 Dezember 2011, 14:51 | Kommentare deaktiviert

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Hallo ihr Lieben!

Zunächst einmal: Wir haben seit dieser Woche endlich wieder Internetanschluss hier im Zentrum. Wenn also die Verbindung nicht viel zu langsam ist, kann ich jetzt wieder frei Mails beantworten, Berichte und Fotos hochladen und Nachrichten im Internetlesen (hier bekomme ich wirklich nichts mit, ist hier aber auch alles irgendwie nicht relevant).

Ich hoffe, dass das auch einfach mal so bleibt!

Vor einer Woche hat Zacharie mit Miriam und mir ein bisschen Kulturprogramm gemacht. So waren wir einen Tag in Foumban und haben dort das Royalmuseum besucht. Hier hat jedes Dorf seinen eigenen Chef, eine Art König. Diese haben früher die Regierungsangelegenheiten übernommen, und haben auch heute noch eine bedeutende Rolle für das Volk.

Das ganze ist sehr traditionsreich und geschichtsträchtig.

Das Museum in Foumban ist direkt neben der Chefferie, dem “Königspalast”, und wir konnten den Chef sogar von weitem sehen. Er wird hier mit einem Handkuss auf den Boden vor ihm begrüßt.

Wir haben uns das aber gespart und sind direkt zu unsere Führung ins Museum gegangen.

Das war für mich wirklich interessant. Es ist einfach eine spannende Geschichte und ich war erstaunt, wie ordentlich, und gut in Schuss die ganzen Sachen dort noch waren.

Es gab ausgestopfte Nilpferde, Tigerfelle,  Menschenschädel, Kostüme, Waffen (deutsche, französische und kamerunische Gewehre), Instrumente und alte Schriften zu sehen.

Die Region um Foumban ist überwiegend muslimisch und es ist erstaunlich zu sehen, wie in Kamerun Muslime und Christen ohne Konflikte gemeinsam leben.

Zudem gehört Polygamie zu der afrikanischen Kultur und Monogamie wurde erst mit den Missionaren und in der Kolonialzeit eingeführt. So gab es in Foumban mal einen Chef der hatte weit über 600 Frauen, weil er ewig auf der Suche nach der Richtigen war. Er hat sogar ein Buch geschrieben, wie diese für ihn sein sollte: Die Lippen von XY und die Kochkünste von XY und und und

Das alles war einfach sooo afrikanisch und faszinierend für mich!

Weiter ging unser Kulturprogramm am letzten Wochenende mit einem sehr seltenen Tanzfest in einem Nachbardorf, Bandjoun. Das findet höchstens alle 5 Jahre statt und Zacharie war richtig stolz, uns das zeigen zu können! Der Tanz war traditionell für den Westen Kameruns und es waren unglaublich viele Menschen dort. Eröffnet wurde der Tanz von dem Bandjouner Chef persönlich, mit einem Schlag auf das Orchesterzelt. Danach ging laute Musik los, Getrommel mit irren Rhythmen und die Tänzer (alles Königsfamilie) fingen an. Mit bunten Kostümen und Masken, bestick mit Perlen und Muscheln, und echten Tierfällen tänzelten sie sich peu à peu voran. Die Fußschritte wurde zudem noch von angebundenen Glocken unterlegt und zudem standen im  Publikum Männer mit Knarren, die sie regelmäßig abgefeuert haben.

Das ganze war ein riesen Spektakel und wäre die Menschen nicht so freudig in Feierstimmung gewesen, hätte ich bei den Masken und Schüssen echt ein bisschen Angst kriegen können. Aber man konnte richtig merken, wie die Leute sich mit dieser besonderen Kultur identifiziert haben und alle waren aufgeregt am Feiern.

Ich hab mich richtig gefreut endlich so einen Teil kamerunischer Kultur kennen zu lernen und fand es absolut faszinierend!

Ich freue mich also noch weitere Tänze und Feste dieser Art bestaunen zu können!