VEM-Freiwillige   2017/2018   2016   2015   2014   2013   2012   2011   2010   2009 

Ann-Christin | Annika | Benjamin | Carina | Charlotte | Christine | Ilva | Jan | Jonas M | Jonas P | Lina | Moritz | Nadine | Robert | Svenja | Till | Vincent

Menu:

Archiv

Blog durchsuchen:

Von Kaffe, Honig und anderen süßen Freuden

Autor: Christine | Datum: 25 März 2012, 03:56 | Kommentare deaktiviert

Letztes Wochenende bin ich in ein schönes Dorf, Fondjomekwet, in die Berge gefahren, um dort bei der Kaffeverarbeitung zu helfen.

Ein kamerunischer Bremer, Morin, hat in Bremen eine Kaffeefirma, wo er fair-trade biologischen Kaffe aus Kamerun verarbeitet und verkauft.

Der Kaffe wird von Bauern in Bahams Umkreis geerntet und dann kommt er zu uns zur Auslese, so verdienen unsere Bewohner sich ein kleines Taschengeld.

Und Morin und zwei Bremer Studenten haben mich jetzt also ein Wochenende mit aufs Dorf genommen, wo ich den Ursprung des Kaffees entdecken konnte.

Ich stand an der Maschine, wo die Bohnen aus den Hülsen geholt werde, habe 70Kilo schwere Säcke geschleppt und durfte sogar die Waage bedienen. Ich habe offensichtlich in einem Männerjob gearbeitet und musste hart dafür kämpfen, dass ich die Waage ablesen durfte und das sogar aufschreiben durfte. Das war auf jeden Fall nicht leicht, weil kamerunische Männer/Arbeiter echte Machos sind und ich eine weiße Frau bin, die jawohl keine Ahnung davon hat wie man eine kamerunische Kaffeewaage abliest (übrigens nicht anders als andere Waagen!)

Aber letztlich haben wir uns den Respekt hart erarbeitet und irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass wir letztlich die Arbeit der Angestellten übernommen haben, die hatten nämlich den ganzen Samstag wohl Raucherpause.

Wie auch immer, ich habe mit Morin und den beiden Studenten Matthias und Wiebke echt liebe Bekanntschaften gemacht, hatte wieder ein Wochenende, an dem ich voll ins Schwitzen gekommen bin und bin wieder mal schlauer geworden!

 

Diese Woche kam unser Imker und hat die Honigwaben unserer kleinen Bienenfarm geerntet. So hatte ich wieder die Chance frischen, warmen Honig direkt aus der Wabe zu schlecken, köstlich! Am folgenden Tag haben wir die Waben dann gepresst.

Eine alte Honigpresse hat uns dabei geholfen. Aber erstmal mussten die gesammelten Honigwaben von den anhänglichen Bienen befreit werden, natürlich ohne besonderen Schutzkleidung. Aber auch das haben wir gut gemeistert und das Pressen war dann ein süßes Vergnügen, bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Bauchschmerzen angefangen haben, trop c’est trop, zu viel ist zu viel ;)

Unsere Küche war anschließend völlig klebrig und roch himmlisch Süß.

Unser eigener Honig hier ist wirklich der leckerste Honig, den ich je gegessen habe!

 

Jetzt ist schon wieder Wochenende und ich bin in Douala.

Ich war Samstagabend auf einem Konzert von dem Hip-Hop Musiker Akon. Ich bin da eher durch Zufall reingekommen, da andere Freiwillige die Karten umsonst bekommen haben und mit Miriam und mir dann dort hin gegangen sind. Vorher konnte ich kein Lied von Akon benennen und wusste eigentlich nur, dass es nicht meine Musik ist, aber letztlich war es echt witzig. Auch bei Konzerten von „Weltstars“ bleibt Kamerun immer noch Kamerun, so fing das Konzert mit vollen 4 Stunden Verspätung an und hatte so manch einen technischen Fehler intus, aber auch wenn ich mir den Künstler nie in Deutschland angesehen hätte, es  war ein cooles Erlebnis und ich habe ein wenig Gangster-Doualas heikles Nachtleben kennen gelernt!

Sonntag hole ich wahrhaftig  Katha und Jannik vom Flughafen ab und wir verbringen 2 unvergessliche Wochen gemeinsam in Kamerun. Für mich ist es eine riesen Chance einem Teil meiner Familie persönlich zeigen zu können und der Besuch aus Deutschland kommt für mich jetzt genau zum richtigen Zeitpunkt.

Ich freue mich!!! J

Und wenn dann Ostern vor der Tür steht und ich zurück von meiner Schwestern-Reise bin, melde ich mich überglücklich wieder!

Bis dahin J

 

8.März - Weltfrauentag

Autor: Christine | Datum: 11 März 2012, 14:39 | Kommentare deaktiviert

Normal 0 21 false false false FR X-NONE X-NONE MicrosoftInternetExplorer4

Obwohl es einer internationaler Feiertag ist, habe ich dieses Jahr in Kamerun zum ersten mal den Weltfrauentag gefeiert.

Schon die ganze Woche zuvor wurden überall Sitzungen gehalten, in denen über die Stellung der Frau, gesellschaftliche Probleme und ähnliches diskutiert wurde. Auch bei uns im Zentrum wurde so eine Sitzung abgehalten. Viele Frauen sind in ihren besten Kostümen hergekommen und dann haben sich 4 Männer vor die Menge gesetzt und Reden über Frauen gehalten. Ich bin ja eher davon ausgegangen, dass die Frauen selbst diskutieren, sich gegenseitig emanzipatorische Beispiele sind und eben untereinander reflektieren. Aber ironischer Weise waren es wieder die führenden Männer die uns Vorträge über die Aufgaben der Frau gehalten haben. Dazu wurde immer wieder betont, dass die Frau dem Mann gleichgestellt ist, sie also die gleichen Rechte und Aufgaben hat. Die Frau ist die Mutter und wird dafür hier besonders geehrt, was ich eigentlich eine schöne Eigenart finde. Eine Mutter ist hier heilig und auch wenn der Mann vielleicht über sie entscheidet ist sie diejenige die das Leben schenkt.

Die klassischen Rollenverständnisse in dieser Kultur sind mir zwar bewusst, aber es war für mich trotzdem erschreckend das so mit zu erleben, da komme ich einfach schon aus einer deutlich emanzipierteren Gesellschaft und bin dankbar dafür. Als dann schließlich dafür laut applaudiert wurde, dass die Frau auch selbstständig leben können muss, also eine (schulische) Ausbildung macht und sich da also alle einig waren, war ich gespannt wie das Ganze am eigentlich Weltfrauentag seinen Höhepunkt findet.

Das war letztlich eine ausgelassene Feierei der Frauen. Anlässlich des 8.März gibt es jedes Jahr einen extra Stoff, woraus sich die Frauen dann die verschiedensten Kleider nähen lassen haben. Es wurde gesungen, getanzt und natürlich auch wieder Reden gehalten.

Es war eine ausgelassene Stimmung und Frauen wissen einfach wie man feiert.

Ich fand es letztlich eine schöne Tradition diesen Tag zu würdigen und vielleicht führe ich das mit meinen Frauen zu Hause ja auch noch ein ;)

 

Apropos Frauen: Die Feldarbeit fällt hier klar in den Aufgabenbereich der Frau. Und da ich dieses Wochenende nicht weiter verreist bin, habe ich den Samstag mit MaDé und Christelle auf dem Feld verbracht. Morgens um 6 gings also los, mit Spitzhacke und komisch kurzer, krummer Schippe haben wir den Acker umgepflügt. Wir haben Spargel-ähnliche Reihen aufgestaut um später Erdnüsse, Bohnen und Mais zu sähen. Das Feld ist wirklich riesig und die Arbeit war unglaublich anstrengend. Ich stand einfach die ganze Zeit gebückt über der roten Erde, welche alles zu gestaubt hat. Der rote Erdenstaub hat sich lecker mit meinem Schweiß vermischt aber zum Glück hatten wir Samstag Abend fließend Wasser, ich hab keine Hanung wie ich mich mit bloßer Eimerdusche sauber gekommen hätte :P

Nach 6 Stunden Feldarbeit, war die Mittagssonne zu heiß für mich und meine Hände übersäht mit (blutigen) Blasen. So habe ich dann also schon Feierabend gemacht und bin zurück ins Zentrum gefahren. Die anderen haben noch bis zum Sonnenuntergang weiter geackert, Kamerunerinnen sind echt stark! Aber MaDé war sehr stolz auf mich, dass ich diese anstrengende Feldarbeit so lange durchgehalten habe. Ich bin damit offiziell die erste Freiwillige, die diese Arbeit gemacht hat!

Im Zentrum habe ich dann erstmal direkt meine Wäsche gewaschen. Die rote Erde war wirklich überall und ich musste noch nie meine Unterwäsche so schrubben! Meine Socken war dermaßen rot verdreckt, dass ich mich spontan dazu entschlossen habe sie nicht mehr zu waschen, sondern gleich weg zu schmeißen. So viel Dekadenz muss sein.

Ja und heute habe ich dann Muskelkater ungefähr an jedem Muskel meines Körpers.

Mal sehen, ob ich das so schnell wieder mache ;)

 

Wie wir deutschen Karneval nach Kamerun brachten…

Autor: Christine | Datum: 04 März 2012, 18:21 | Kommentare deaktiviert

Normal 0 21 false false false FR X-NONE X-NONE MicrosoftInternetExplorer4

Ich hätte dann doch noch mal kurz etwas zu meinem letzten Bericht hinzuzufügen.

Nachdem ich also eine Larve aus meinem Zeh geschnitten habe, musste ich gestern (Freitag) Nacht noch mit einer Bewohnerin ins Krankenhaus rennen, weil sich ein Insekt in ihr Ohr verirrt hatte. So habe ich also mit einem gehfähigen Bewohnern Vivianne im Rollstuhl den Berg hoch geschoben, wir haben um 21:30Uhr beim Doktor an der Haustür geklopft, der dann schließlich im Krankenhaus neben an mit einer Pinzette, ein dickes Fliegenvieh aus Viviannes Ohr gezogen hat. Das Ganze war dann auch wieder schnell vorbei und kein Problem.

Heute (Samstag) Morgen habe ich dann unseren Salon durch gefegt und als ich dann angefangen habe zu wischen, kommt aus einer Ecke

eine Schlange gezischelt, eine Schlange, in meinem Wohnzimmer!

Ich habe dann erstmal losgeschrien und beschützend wie unsere männlichen Bewohner hier sind, kam dann auch der erste direkt mit der Machete rein gerannt. So tapfer er mit der Machete hereingestürmt kam, so schnell ist er beim Anblick der Schlange dann auch wieder geflüchtet, ja Danke:D Als die Nachricht meiner neuen Mitbewohnerin dann die Runde gemacht hat, diskutierten alle, wie wir jetzt weiter machen würden (ich war dafür, unseren Kater auf die Schlange los zu lassen, aber wäre Miri da, hätte sie wohl eher mich auf die Schlange losgelassen! :P).

Letztlich kam Raoul einfach im Rollstuhl mit einem fetten Baumstamm angerollt und hat damit einfach auf die Schlange eingeschlagen, bis mein Salon voll gematscht war und die Schlange sich nicht mehr regte. So durfte ich also heute morgen, vor meinem Frühstück schon Schlangen-matsche wegwischen!

(das Bild einer gefährlichen afrikanischen Riesen-Schlange in euren Köpfen löse ich besser mal damit auf, dass ich erkläre, dass die Schlange letztlich nur 30cm lang und vielleicht 1cm dick war. Aber sie war echt angriffslustig!)

Also diese Woche kriege ich echt viele kamerunische Kriechtiere nahe gebracht, gerade dann, wenn Miriam mit ihrem Freund durchs Land reist. Aber jede einzelne dieser Erfahrungen ist gewiss eine gute Story für meine Enkelkinder später! :D

 

Normal 0 21 false false false FR X-NONE X-NONE MicrosoftInternetExplorer4

Wenn auch etwas verspätet, so habe ich mit Miriam und ihrem Freund, der gerade zu Besuch ist, letzten Sonntag deutsche Karnevals-Kultur nach Baham gebracht. Eigentlich hat das Ganze eher einem bunten Kindergeburtstag geähnelt, aber es war echt amüsant!

Miriam hat sich extra das Krapfenrezept von ihrer Mutter schicken lassen und wir haben alles Mögliche für unsere Sause eingekauft.

Wir haben dann mittags also erst versucht die Krapfen zu backen, wie gesagt: versucht…:D

Mangels Waage oder anderen Messgeräten, musste Miriam aus reiner Erfahrung die Zutatenmengen abschätzen und so den Teig irgendwie anrühren. Dann haben wir die Krapfen frittiert. Aber irgendwie ist das mit einem Gasherd relativ schwierig, da man die Temperatur nur schwer regulieren kann. So war das Fett durchgehend viel zu heiß, wodurch die Krapfen dann von Außen viel zu schnell viel zu dunkel wurden. Nach der dritten Fuhre, die wir schon frittiert haben, bemerkten wir dann, dass unsere Krapfen von außen kamerunische Hautfarbe angenommen hatten, von Innen aber immer noch roh waren. Bis wir das aber bemerkten, waren unsere Krapfen aber alle schon mit Marmelade gefüllt.

Ich war dann dafür, sie trotzdem so an unsere Bewohner zu verteilen und weil das Innere komisch schmeckte, einfach noch mehr lecker Marmelade rein zu spritzen, und so wurde dann auch gemacht.

(Übrigens spritzen im wahrsten Sinne des Wortes: mangels Marmeladen-Spritz-Filter-Dingens haben wir aus unserem 1.Hilfe-Kasten eine Spritze genommen und damit die Konfitüre in unsere schwarz-rohen Krapfen gefüllt, Afrika macht erfinderisch!)
Die nächsten Teigfuhren haben wir dann die Krapfen kleiner gerollt, in der Hoffnung, sie würden dann gar werde, PUSTEKUCHEN!

Mal wieder eine typisch chaotisch und improvisatorische Situation für uns Kamerun-Freiwillige!

So ging also irgendwann unser kamerunisches Karneval los.

Miriam, Friedrich und ich mit Brillen und Hüten bewaffnet und die Kinder hatten Papptellermasken, alles natürlich selbst gebastelt!! So sahen wir dann alle angemessen bescheuert aus und dann wurde getanzt und gefeiert. Wir haben einen Tanzwettbewerb veranstaltet, Topfschlagen gespielt und haben Stopptanzen gemacht und natürlich durfte auch unsere Rollstuhl-Krücken-Polonäse nicht fehlen!

Bei den Spielen konnten die Kinder laute, nervige Tröten gewinnen, die uns noch eine Woche später bis in die Nacht verfolgten.

Und auch unsere Krapfen und Limoande haben die Kinder irgendwie runter gekriegt und es hat sich niemand über Bauchschmerzen beklagt (nur, dass zu viel Marmelade drin sei:D)

Es war echt ein lustiger, bunter Sonntagnachmittag und die Kinder haben sich herzlichst für unser Karnevalsfest bedankt. Und auch mir hat es Spaß gemacht, den Bewohnern so eine Freude zu bereiten.

Schön war mein kamerunischer Karneval!