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Deutschland in Kamerun Teil 2

Autor: Christine | Datum: 30 Mai 2012, 17:33 | Kommentare deaktiviert

Die letzten 2 Wochen war mal wieder viel schönes los bei mir: Am 11.Mai habe ich meinen Freund in Douala am Flughafen abholen dürfen und wir haben 2 gemeinsame Wochen in meinem Kamerun verbracht. Zunächst ging es für uns beide von Douala nach Kribi für 4 Tage an den herrlich warmen Atlantik, wo wir am weißen Sandstrand ausspannen konnten. Danach sind wir nach Baham in mein Zuhause gefahren, wo wir die Woche verbracht haben. Leider hatte sich Sven aufgrund eines verdorbenen Fisches eine fette Lebensmittelvergiftung zugezogen, sodass er erst einmal für ein paar Tage flach lag. So kam es dann dazu, dass ich auch mal das Krankenhaus in Baham kennen lernen durfte, einen Arzt unter der Hand bezahlt habe und in die Apotheke gefahren bin, um unglaublich viele verschiedene Medikamente zu besorgen. Schließlich hat aber alles geholfen und wir konnten noch einen Ausflug zu einem schönen Kratersee hinter Bafoussam machen und letztes Wochenende haben wir uns dann nach Limbe aufgemacht, wo ich Sven doch noch den “Besten Burger der Welt” präsentieren musste. (Ihr erinnert euch an die Schilderung im Blogeintrag vom Besuch von Katha und Jannik?!) Tja, so sind wir noch eine Nacht in einem schönen Hotel direkt am Atlantik (ohne Meerzugang aber mit schniekem Pool!) untergekommen und Samstag Abend waren wir dann bei ARNE’S essen….mein Burger ist leider nur ehrenhafter “2. Bester Burger der Welt” geworden, aber gegen den neuseeländischen Sieger gebe ich mich nach ausführlicher Schilderung gerne geschlagen. Die Zeit mit Sven ist mir wirklich viel zu schnell verflogen (wie eigentlich fast jeder Tag, Woche und Monat zur Zeit) und ich habe mir noch nie so oft gewünscht, die Zeit anhalten zu können! Auch meine Bestechungsversuche, Sven hier noch meine letzten 3 Monate zu behalten, haben nicht gefruchtet und so hieß es Sonntag für uns beiden wieder Abschied nehmen. Jedes Mal, wenn ich jemanden meiner Liebsten am Flughafen in Douala verabschieden muss, würde ich einfach am Liebsten mit in den Flieger nach Hause steigen. Aber auf der anderen Seite genieße ich auch jede Minute, die ich noch mit den Bewohnern im Zentrum habe! Auf jeden Fall habe ich mich tierisch ueber Svens Besuch gefreut und habe die gemeinsame Zeit sehr genossen. Es war einfach schoen Sven meine Welt hier zeigen zu koennen, so kann er das jetzt noch mehr mit mir teilen! Am 18.Mai war ich noch mit Sven auf einem Seminartag mit dem Thema “Beziehungen und Sexualität in Kamerun”. Dafür haben wir Freiwilligen uns mit kamerunischen Jugendlichen zusammen gesetzt und wir haben über die verschiedenen Kulturen in Sachen Beziehungen und Sexualität diskutiert. Es wurden frei Fragen gestellt, wie “Warum küsst ihr euch auf offener Straße?” oder “ Warum zeigen Kameruner keine Beziehung öffentlich und tanzen dafür aber hemmungslos (in unseren Augen) sexistisch in Nachtclubs?” und heftig hin und her debattiert. Das war echt interessant, weil man die Sichtweise der Kameruner original hören konnte und auch seine eigene Kultur erklären konnte. Das waren alles auf jeden Fall sehr angeregte und spannende Diskussionen. Der Seminartag war interessant und es war schön, noch einmal meine Freiwilligengruppe des Zwischenseminars im Februar wieder zu treffen! Zudem fand während Svens Besuch auch noch das mit wichtigste Ereignis Kameruns statt. Am 20.Mai ist hier Nationalfeiertag, der riesig gefeiert wird. Wie für große Feiertage üblich, traf sich an diesem Sonntag ganz Baham und Umgebung am Stadion zusammen und es wurde wieder einmal defiliert. Die Woche zuvor mussten wir also wieder unsere Formation für den Marsch üben (wobei das diesmal irgendwie nicht geklappt hat) und Sonntag fanden sich dann alle Autoritäten, Schüler, Organisationen, Ämter und und und in Uniformen zusammen, nahmen nach der gesungenen Nationalhymne auf der Tribüne platz und in Reih und Glied nach hierarchischer Ordnung wurde dann also geschlagene 2 Stunden marschiert und Parolen gesungen, welch ein Nationalgefühl! Dieses Mal waren wir, wie schone erwähnt, nicht so gut vorbereitet und unser Marsch war ziemlich chaotisch, aber es ist wirklich eine Herausforderung, Rollstühle, Kinder, humpelnd und jammernd in Reih und Glied gleichmäßig marschieren zu lassen! Ich finde diesen Aufmarsch etwas, befremdlich und zudem sind Weiße, die Rollstühle schieben einfach die auffälligste Mischung, die man in Afrika haben kann! Dennoch haben wir es irgendwie hinter uns gebracht und danach folgte der amüsantere Teil: traditionelle Tänze und Barbesuche. Bis spät in die Nacht tanzten die Leute auf der Straße und man hörte über all laute Musik. Immer wieder ein schönes Spektakel, so ein Feiertag! So, für mich hat jetzt endgültig der Countdown meiner restlichen Zeit mit den Bewohnern angefangen, denn am 18.Juni heißt es Abschied nehmen. Ich bin gespannt wie die verbleibende Zeit für mich wird und ich tue mein Bestes jede Minuten ausgiebig zu genießen! In diesem Sinne, alles Liebe ChrisTine

 

Besuch über Besuch, kranke Sprachen und neue Arrangements

Autor: Christine | Datum: 05 Mai 2012, 15:40 | Kommentare deaktiviert

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Erstmal muss ich mich entschuldigen, dass jetzt länger nichts mehr von mir gehört habt, aber unser Internet hat sich mal wieder von uns verabschiedet und ins Internetcafé komme ich eben nur selten. Dafür habe ich jetzt etwas länger zu erzählen, ja, ich weiß, das ist nicht am angenehmsten zu lesen, aber los gehts!

 

Nicht nur, dass das Internet uns im Stich lässt, nein, seit über 2 Wochen haben wir auch schon kein fließend Wasser mehr im Zentrum. Damit sind unsere 3 x 1Tonne Wasserkanister jetzt auch leer. Freitag Abend nach unserer Evaluation hieß das dann für alle die 2 gesunde Beine haben, Wasserholen am Brunnen. So haben wir also alle Eimer und sonstigen nützlichen Behälter zusammen gesucht und uns auf zum Brunnen gemacht, der ein kleines Stück vom Zentrum entfernt ist. Also wir dann 3 Touren gelaufen sind, war dann auch der Brunnen leer, bzw. die Kordel zu kurz. Aber erst einmal haben wir jetzt wieder ein paar Eimer für jeden. Und sonst hoffe ich einfach sehr, dass sich dieser Zustand bald wieder ändert ;)

 

Seit Mitte Februar haben wir im Zentrum eigentlich fast durchgehend Besucher gehabt. Erst war Miriams Freund da, dann kam ihr Vater und bei mir waren Katha und Jannik zu Besuch und als die beiden abgeflogen sind, kam eine Delegation einer Behinderteneinrichtung Wittekindshof in Bad Oeyenhausen an, um sich für zwei Wochen die Arbeit in unserem Zentrum anzuschauen.

So kamen also Annette mit ihrer 20-jährigen Tochter Kathi als Dolmetscherin und Diakon Dirk. Mit Kathi habe ich mich auf Anhieb gut verstanden. Sie war jetzt nach dem Abi für 9 Monate in Frankreich und ist für den Trip nach Kamerun wieder gekommen. Ja, als ich Kathi so Französisch sprechen gehört habe, ist mir erstmal wieder klar geworden, wie fließend und wenig hart/aggressiv, wie schön die französische Sprache eigentlich ist! Kathi hatte anfangs echt Probleme die Kameruner verstehen zu können und meinte zu mir, dass ich genau den selben Slang hätte wie die Kameruner und sie mein Französisch auch nur schwer versteht. Und ich dachte, ich lerne hier Französisch, aber mit der Sprache der Franzosen hat mein Kauderwelsch offensichtlich nur wenig zu tun. Das fängt bei dem dreckigen Dialekt an, geht über eine miserable Grammatik bis hin zu Wörtern, die die Kameruner nutzen, ein Franzose aber niemals in den Mund nehmen würde.

Ich klinge jetzt also offiziell wie ein Afrikaner, wenn ich eine europäische Sprache spreche. In Frankreich kann ich mich also erstmal nur in speziellen Vororten blicken lassen, was will ich mehr :D

Naja, auf jeden Fall habe ich mich auch über diesen Besuch sehr gefreut. Es gab noch mal Zeit, die Arbeit hier zu reflektieren und auch so ist es immer wieder schön jemanden von zu Hause hier zu haben, zumal Bad Oeyenhausen wirklich nicht weit weg von Versmold ist und ich gewiss noch einmal bei Annette und Kathi und im Wittekindshof vorbei schauen werde!

Trotz allem ist Besuch auch immer etwas anstrengend, man ist immer präsent, ich habe mich stark verantwortlich für das Wohl meiner Schwester und Jannik gefühlt und gerade während des Besuches der Delegation fingen meine Arbeitstage morgens um 7 an und hörten oft erst abends um 20:30Uhr auf. Das alles war vielleicht einfach ein bisschen zu anstrengend und aufregend für mich, so dass ich die Woche erst einmal 2 Tage flach lag und mich entweder übergeben musste oder geschlafen habe. Aber nach diesem 2-Tages-Marathon bin ich jetzt auch wieder fit, war wohl einfach ein Aussetzer meines Körpers ;) Aber bis dahin, hatte ich hier außer den üblichen Magen-Darm-Beschwerden in einer fremden Essenskultur echt noch gar nichts und war und bin gesund!

 

Es hat sich aber noch etwas bei mir geändert. Seit ein paar Wochen arbeitet Miriam jetzt nur noch 3 Tage anstatt Vollzeit im AHP²V und dafür arbeitet sie jetzt Montags und Freitags im Krankenhaus in Bangua (etwa eine Stunde von Baham entfernt). Dort arbeiten auch Uli und Patrice, wenn sie nicht hier sind und bei den beiden wohnt Miriam auch für die Tage.

So fährt sie also Donnerstags nach der Arbeit mit Uli Und Patrice nach Bangua und kommt dann Dienstags morgen mit den beiden zum Arbeiten bis Donnerstag wieder ins Zentrum.
Es gibt verschiedene Gründe für diese Veränderung, einmal kam sie auch mit der Zeit nicht damit zurecht, so gut wie gar keine Privatsphäre zu haben und dazu kam dann noch, dass unser Chef, Zacharie, einen sehr schwierigen Charakter hat, mit dem sie nicht klar kommt. Ich kann ihre Gründe völlig nachvollziehen, es ist eine Herausforderung am selben Ort ohne Trennung zu Arbeiten und zu Wohnen, 7 Tage die Woche rund um die Uhr ansprechbar und abrufbar zu sein. Für mich war das anfangs auch heftig, aber ich habe mich daran gewöhnt und bin jetzt auch dankbar dafür, so einen engen Kontakt zu den Bewohnern zu haben, schaffe mir aber auch durch Ausflüge, einen Spaziergang oder klare Ansagen meine Auszeiten, anders geht es auch nicht.

Und Monsieur Zacharie, ja, der ist eine harte Nummer! Er liebt es zu predigen, lässt nicht mit sich diskutieren, Vorschläge lehnt er prinzipiell ab und man hat eben auch keinen Abstand zu ihm, es ist nicht so, dass er um 8 kommt und um 16 Uhr wieder geht, nein er kommt um halb acht und bleibt bis 18 Uhr, taucht am Wochenende auf, um zu kontrollieren, ob wir gefegt haben. Das ist anstrengend!

Das stört natürlich auch mich ziemlich, aber ich habe zumindest gelernt, mich nicht an jedem Wort von ihm aufzuhängen und manchmal eben einfach nur zu lächeln und zu nicken. Ich werde diesen Mann nicht ändern können, und habe einfach meinen Fokus auf die Bewohner gesetzt. Für sie lohnt sich jeder Stress und die Kleinen bauen dich schon mit einem einfachen Grinsen wieder auf! Ich habe mich also auch mit diesen Problematiken engagiert.

Aber ich muss ganz ehrlich sagen, dass es für mich jetzt ganz schön komisch ohne Miriam ist. Einmal ist es jetzt die doppelte Arbeit, die ich mache, aber das pack ich. Vielmehr fehlt mir der Austausch mit ihr, das gemeinsame Abhängen, es war eben echt ein schöner Luxus immer zu zweit zu sein. Jetzt bleibt mir irgendwie wieder mehr Zeit an mein Deutschland zu denken, an euch zu denken, ich habe nur noch 2,5 Tage die Woche eine deutsche Begleiterin zum sich Austauschen. Das nervt mich gerade etwas, aber ich weiß , dass ich mich auch damit arrangieren werde ;) Außerdem rede ich jetzt noch viel mehr mein dreckiges Französisch, was auf jeden Fall gut ist!

 

Naja und nächste Woche, kommt Sven mich ja dann auch schon besuchen und dann sollte das alles verflogen sein und der Besuchermarathon geht weiter J

 

Übrigens wird hier der erste Mai auch als Tag der Arbeit gefeiert und ich hatte ein langes Wochenende. Das habe ich ganz ruhig zum Mails schreiben (die ich nicht los werde), kochen, lesen und ausschlafen (das heißt hier bis 8Uhr schlafen) hgenutzt. Und ich habe mit Miriam noch ein kleines Picknick bei Fovu, den wundervollen Riesenfelsen in Baham gemacht.

Das war auch mal schön!

 

So, ich melde mich dann nach meinem Besuch wieder.

 

Liebste Grüße,

Eure ChrisTine