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Ich habe noch nie...

Autor: Christine | Datum: 20 August 2012, 17:58 | Kommentare deaktiviert

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mit immer mindestens sieben Leuten im Taxi gesessen.

zuvor mit 10 Leuten in einem Auto eine Taxifahrt gemacht.

eine dermaßen verrückte Verdauung gehabt

mein Leben so viel dokumentiert

so viel mit den Händen gegessen

so aromatisches Obst und Gemüse gegessen

so scharf gegessen

mir so viele Kleider schneidern lassen

so leidenschaftlich um Preise verhandelt

so oft Uringeruch in der Nase gehabt

so viel frittiertes Essen gegessen mit so viel Öl und Zucker

so viel gewogen..

so oft mein Essen über offenem Feuer zubereitet

mit so vielen Menschen und Tieren zusammen gewohnt

so intensiv Hühner vom Ei bis zum Filet verfolgt

zuvor Huhn oder Fisch selbst auseinander genommen.

so selten Wasser und Strom gehabt

so selten die Toilettenspülung genutzt

so viele Bücher in einem Jahr gelesen

so viele Filme und Serien in einem Jahr geschaut

so oft Kinder auf die Toilette gehoben

mich so viel über Verdauung ausgetauscht

so viel eine Sprache gesprochen, von der ich eigentlich keine Ahnung habe

meine Familie und Freunde so sehr vermisst

so viele Heiratsanträge bekommen

mir so oft gewünscht, eine andere Hautfarbe zu haben

so oft nur kalt geduscht

so heftigen Regen und so brennende Sonne erlebt

so viele Zehennägel verloren

so extrem mein Geschlecht verteidigen müssen

einen so hohen Berg bestiegen

so lange und so viele Out-door-/ Trekking-Touren gemacht

so oft Hühner aus meinem Schlafzimmer verjagen müssen

mich auf so viele verschiedene Arten geduscht

so viel Sabber abbekommen

so viele Rollsstühle geschoben..

zuvor blutige Fingerknöchel beim Wäsche waschen bekommen.

zuvor mit Malaria und Typhus im Bett gelegen.

in einem so unbequemen Bett geschlafen

zuvor so viel und hart auf dem Feld gearbeitet

so lebendige Gottesdienste erlebt

…so viele Socken weggeworfen, weil ich sie nicht mehr sauber bekommen habe…

eine Gesellschaft erlebt, die auf so herzlicher Solidarität basiert

in einem Jahr so viele Briefe und Mails geschrieben

zuvor meinen Alltagseinkauf auf wuseligen Märkten erledigt.

so viele neue, fremde, spannende Eindrücke erlebt

 

wie in Kamerun August 2011- August 2012

DANKE!

 

 

Von neuen Abenteuern, Abschiedschmerz und Wiedersehensfreude

Autor: Christine | Datum: 15 August 2012, 15:15 | Kommentare deaktiviert

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Wie die Zeit verrast, es ist echt unglaublich…

die letzten eineinhalb Monate seit der Nordentour habe ich damit verbracht, ein paar Dokumente für meinen Chef zu übersetzen und vor allem ganz viele liebe Leute zu besuchen. So war ich immer unterwegs, habe meine Abende mit der Pastorenfamilie verbracht, war bei Bewohnern in den Familien zu Besuch und hab diesen und jenen in Baham besucht, ich habe mich aus reiner Kochfaulheit durch die Restaurants in Baham gegessen (was nebenbei auch deutlich günstiger ist, als selbst zu kochen!) und war immer viel unterwegs.

Das ist sehr kamerunisch, denn in Kamerun bleibt man nicht allein und die Türen stehen immer offen. Zudem bekommt man bei jedem Besuch immer leckeres Essen und so habe ich die ganze Zeit nur ein einziges Mal selbst gekocht.

Außerdem habe ich noch fast 2 Wochen bei Uli und Patrice in Bangoua gewohnt. Das hatte ich sowieso vor, aber letztlich ergeben hat es sich dann, als ich krank geworden bin und die beiden mich nicht länger alleine in Baham lassen wollten. Ich habe also noch eine weitere afrikanische Erfahrung gemacht und lag zwei Wochen mit Typhus, Malaria und einer Salmonellenvergiftung im Bett. Aber das habe ich wieder gut auskuriert und bin schon wieder voll dabei meine letzte wenige Zeit hier richtig auszukosten.

So war ich gerade eine Woche in Limbe am Meer. Miriams kleiner Bruder ist noch zu Besuch gekommen und wir haben auch in der Regenzeit fleißig im Meer geplanscht, frischen Fisch gegessen und unsere Abende in der Strandbar verbracht, herrlich!

Anschließend bin ich letztes Wochenende weiter nach Buea, Kumba bis nach Mundemba gefahren. Dort bin ich mit Andrea und Caro, zwei Mädels aus Bafoussam, in den Korup National Park gegangen…ein letztes großes Abenteuer!

Allein die Reise dorthin ist schon ein original kamerunisches Abenteuer. Die Strecke von Kumba nach Mundemba ist zwar nicht länger als 120km, aber die Straße ist in einem dermaßen schlechten Zustand, dass man für den Weg locker 4 Stunden braucht. Ich habe noch nie eine so durchlöcherte, matschige Schlammstraße erlebt. Wir saßen zu 8 in einem alten Pick-Up und auf der Ladefläche standen auch noch mal 6 Leute. Ich habe unseren Fahrer echt bewundert und war völlig begeistert von seinen Fahrkünsten, wie er uns so souverän durch den Knie-tiefen Matsch gefahren hat, und das der alte Toyota das alles mitgemacht hat!!!

Montag ging es dann für uns in den Dschungel. Nach einer kleinen Motorradtour durch unendlich lange Palm-Öl Plantagen kamen wir zu einer Gendarmerie-Station. Dort mussten wir uns ausweisen, damit immer kontrolliert werden kann, wer in den Wald geht und wer auch wieder raus kommt.

In den Nationalpark führte als erstes eine 120m lange und 15m hohe Hängebrücke über einen reißenden Fluss. Die Brücke hat ordentlich gewackelt und bestand aus mehr oder weniger gut befestigten Holzplanken in unterschiedlichen Abständen. Festhalten konnten wir uns an zwei fingerdicken Seilen. Allein das war schon unbeschreiblich cool!

Anschließend ging es dann 6 Stunden lang mit unserem Guide durch den Regenwald. Hoch und runter, mitten durch wildes Gestrüpp. Wir mussten immer wieder Flüsse überqueren, nur leider war das jedes Mal aufs Neue eine Herausforderung, denn wo früher mal umgefallenen Bäume über den Fluss führten, lagen sie heute schon halb im Wasser. So mussten wir uns neue Übergänge suchen, hüpften von Stein zu Stein, balancierten über rutschige Baumstämme, hielten uns an Lianen fest, und einmal blieb uns auch nichts anderes übrig als in voller Montur durch den knietiefen Fluss zu laufen. Nach 3 Stunden kamen wir dann bei eindrucksvollen Wasserfällen an und machten dort Mittagspause.

Es ist einfach unfassbar, wie reich und wunderschön der Regenwald ist und umso heftiger war der Kontrast zu den 1000en Hektar Palm-Öl Plantage. Das war Erdkundeunterricht aus dem Lehrbuch, wie viel Regenwald abgeholzt wird, um Palmöl herzustellen.

Anschließen ging es weiter durch den Busch. Oft sind wir einfach quer Beet durch das Gestrüpp gewandert, unser Guide mit der Machete voraus. Einmal haben Andrea und ich den Anschluss an die anderen beiden verloren und völlig die Orientierung verloren. Dann mussten wir rufen und bald darauf kam dann aber auch Antwort und wir sind den vertrauten Stimmen gefolgt, bis wir wieder bei den Anderen angekommen sind. Die Gendarmerie hat nicht ohne Grund unsere Personalien aufgenommen :D

Der Regenwald war einfach richtig verwachsen und überall hingen Äste und Lianen herum, Wurzeln kamen aus dem Boden und Schlamm bildete die Erde. So blieb es auch nicht aus, dass ich ein paar Mal gestolpert, ausgerutscht und hingefallen bin. Wobei ich mich dummerweise immer an fiesen Dornenlianen festgehalten habe. Einmal bin ich voll in einen Ast gerannt, der dann blutigen Spuren an meinem Hals hinterlassen hat. Es ist echt unglaublich wie kaputt ich aus dem Busch gekommen bin. Vielleicht sollte man so eine Tour nicht noch so kurz vor der Heimkehr machen, aber ich hoffe Mal dass die ganzen Kratzer Schürfwunden und Dornen an meinen Händen und dem Hals schnell verheilen und ich wieder weniger wild aussehe, wenn ich nach Deutschland komme :D

Aber es war einfach unbeschreiblich durch den Dschungel zu wandern. Wir haben sogar eine Schlange und eine fette Spinne, Schmetterlinge, Füchse, Ameisen und Termiten und richtig Affen gesehen (so Pipi Langstrumpf Affen). Das war soooooo cool!

Raus ging es dann wieder über die Hängebrücke und mit den Motorrädern zurück zu unserer Unterkunft.

Dienstagnacht haben wir uns dann schon um 2 Uhr auf den Weg nach Hause gemacht. Also eigentlich sollte uns der Taxifahrer um 2 Uhr abholen, aber natürlich kam er erst eine Stunde später und so konnten wir um 3 Uhr losfahren. Aber es dauerte keine halbe Stunde und wir hatten mal wieder eine Panne. Es ist echt bescheuert, ich stand schon wieder mitten im Regenwald mit einer Panne. Erst dachte ich es sei nur ein geplatzter Reifen, aber irgendwie stellte sich heraus, dass auf der Huckelpiste die Achse gelitten hatte. Ich weiß nicht genau, was los war, aber 2,5 Stunden später konnten wir dann endlich wieder weiter fahren, mittlerweile war auch die Sonne schon aufgegangen.

Wir saßen wieder zu 8 in unserem Pick-Up und suchten uns bei strömenden Regen unseren Weg durch den Schlamm. 3 Stunden später hatten wir dann wieder eine Panne, unser Motor hat angefangen zu qualmen. Aber innerhalb von einer halben Stunde hat unser Chauffeur das Problem mit einer alten Socke und einem zerschnittenen Reifen geregelt und so konnten wir immer hin im 1. Gang weiter fahren. Wir durften nur nicht mehr anhalten, weil sonst der Wagen nicht mehr angesprungen wäre und so sind wir fleißig durch alle Polizeikontrollen durchgefahren und riefen den  entsetzten Polizisten durchs Fenster zu, dass unser Motor kaputt ist und wir deswegen nicht anhalten könnten.

Als wir anstatt wie geplant dann um 12 Uhr um 7 Uhr in Kumba angekommen sind, bezweifelten wir, dass unser Anschlussbus nach Bafoussam noch fährt. Normale Abfahrt war eigentlich um 8Uhr, aber wir hatten einfach Glück mit der Unpünktlichkeit in Kamerun und so fuhr der Bus mit uns um halb 1 los. Jetzt standen uns nur noch 7 Stunden Busfahrt bis nach Bafoussam bevor und dann hatten wir es geschafft. Die Fahrt ging dann auch tatsächlich ohne Probleme und so kamen wir Dienstagabend um 19:30 nach  17Stunden Fahrt heile und müde zu Hause an und hatten wieder viel zu erzählen.

Ich bin froh, dass ich diesen Trip noch gemacht habe. Es war wirklich unvergesslich und ich habe mal wieder viel spannenden Erzählstoff gesammelt ;)

 

Jetzt sind es nur noch 10 Tage bis ich in Douala ins Flugzeug steige und es für mich zurück nach Deutschland geht. Ich habe mich eigentlich immer riesig auf meine Rückkehr gefreut und konnte es manchmal gar nicht mehr erwarten wieder nach Hause zu kommen. Aber im letzten Monat hat sich das Gefühl ziemlich geändert. Ich bin so viel am nachdenken, frage mich selbst viel zu viele Fragen und mir wird so deutlich wie nie zuvor, wie unterschiedlich meine Zeit in Kamerun zu meiner Zeit in Deutschland ist.

Ich habe das Leben hier so lieben gelernt, die ganzen Abenteuer als Antrieb genutzt. Ich denke mir manchmal, ich würde echt gerne jetzt noch ein Jahr dran hängen und all das was ich gelernt habe, an Sprache, Kultur und Zusammenleben noch einmal ausnutzen, mit meinem jetzigen Wissen noch mal das Jahr erleben und manches anders machen und manches genauso noch mal machen. Aber gut…das ist auch normal.

Und ich habe auch so viele Dinge auf die ich mich in Deutschland freue, vor allem auf meine Liebsten!!!

Ich freue mich auf meine Familie, meine Freunde, meine Beziehung,

ich freue mich auf einen höheren Hygienestandard, fließend Wasser, keinen Schimmel, Nahrungshygiene, Lebensmittelhygiene und die damit verbundene gesunde Verdauung!

Ich freue mich auf mein Fahrrad und damit ohne Sorge durch die Nacht zu fahren.

Ich freue mich auf Sauerbraten mit Klößchen und Rothkohl, auf einen Apfel, Schnitzel, Wirsingeintopf, Spinat, VOLLKORNBROT, Milch, Käse und Wurst, Lasagne, Sauerkraut mit Kartoffelbrei, Erdbeerkuchen, Sachertorte, Currywurst, Döner und Pizza und Sushi und die Liste kann ich ewig weiter führen.

Es wird mir unglaublich schwer fallen, Kamerun erstmal hinter mir zu lassen, aber ich weiß sicher, dass ich eines Tages wieder zurück kommen werde und Zeit habe all die Dinge, die ich in Kamerun lieben gelernt habe (zu 8 Taxi fahren, schleimiges Essen mit Fingern zu essen, die Menschen und und und), noch mal zu erleben!

Kamerun ich komme wieder, Au revoir, Auf wiedersehen!